Benjamin Kilchör, «Passah und Mazzot - Ein Überblick über die Forschung seit dem 19. Jahrhundert», Vol. 94 (2013) 340-367
With the beginning of the historical-critical study of the Old Testament, the biblical picture of the origin and development of Passover and Mazzot was not taken for granted anymore. Since there are a lot of texts concerning this topic, however, the options to explain the history of Passover and Mazzot are legion. Starting with George and Wellhausen, this article attempts to outline the history of research on Passover and Mazzot up to now. Some thoughts on the current state of research complete the paper.
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PASSAH UND MAZZOT
vergönnt war, selbst an einem einfachen Nomadenfest teilzunehmen:
Da seien Schafe auf einem improvisierten Kohlenfeuer geröstet wor-
den und als Beilage habe man ein wenig Wasser mit Mehl gemischt
und den Teig auf Kohlen oder einer heissen Platte gebraten. An die
Verwendung von Hefe sei dabei nicht zu denken gewesen: “C’est
pourquoi les azymes figurent dans le menu pascal†15. Während in
der neueren Urkundenhypothese durch die Spätdatierung von P Ex
12 zu den spätesten Passah-Texten gehört, sah Dhorme – und viele
Gelehrte nach ihm – gerade in diesem Text eine alte, nomadische
Tradition lebendig.
II. Kritische Auseinandersetzung mit dem bestehenden
Konsens durch das Aufkommen der
überlieferungsgeschichtlichen Fragestellung
Während religionsgeschichtliche Untersuchungen zu Passah und
Mazzot, die stark mit Vergleichsmaterial aus der Umwelt des Alten
Testaments arbeiteten – wobei die Bräuche arabischer Nomaden im
Vordergrund standen –, weiterhin unternommen wurden, brachte das
Aufkommen überlieferungsgeschichtlicher Fragestellungen in der
ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts neue Impulse für die Forschung.
Bis dahin blieb das Grundschema nach Wellhausen über Jahrzehnte
hinweg mit geringen Modifikationen erhalten. Doch namentlich mit
dem überlieferungsgeschichtlich arbeitenden Josuakommentar von
M. Noth (1938) 16 begann dieser Konsens zu bröckeln. Noth argu-
mentierte, in Jos 5,10-12 sei die Verbindung des Passah mit dem
Essen der ungesäuerten Brote noch kein kultischer Brauch und die
Verbindung von Mazzot und Röstkorn spreche dagegen, die Verse P
zuzuschreiben (gegen Wellhausen). Nur die Zeitangaben würden
einer priesterlichen Bearbeitung entstammen.
H.-J. Kraus (1958) 17 knüpfte an Noth an: “Das herkömmliche his-
torische Schema, das vor allem von J. Wellhausen ausgebaut worden
ist und heute beinahe überall in Geltung steht, bedarf einer eingehenden
DHORME, Évolution, 212.
15
M. NOTH, Das Buch Josua (HAT I.7; Tübingen 1938) 17.
16
H.-J. KRAUS, “Zur Geschichte des Passah-Massot-Festes im Alten Tes-
17
tamentâ€, EvT 18 (1958) 47-67.
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