1 Zur Satzsegmentierung vgl. W. RICHTER, Biblia Hebraica transcripta. 1 und 2 Könige (ATSAT 33.6; St Ottilien 1991).

2 Vgl. W. GROSS, "Syntaktische Erscheinungen am Anfang althebräischer Erzählungen: Hintergrund und Vordergrund", Congress Volume: Vienna 1980 (ed. J.A. EMERTON) (VTS 32; Leiden 1981) 131-145; bes. 134 Anm. 11 (dort nur zur Vorstellung einer unbekannten Person bei der Eröffnung eines Zweitstrangs akzeptiert).

3 Zur näheren Begründung vgl. H.-J. STIPP, Elischa – Propheten – Gottesmänner. Die Kompositionsgeschichte des Elischazyklus und verwandter Texte, rekonstruiert auf der Basis von Text- und Literarkritik zu 1 Kön 20.22 und 2 Kön 2–7 (ATSAT 24; St Ottilien 1987) 442-451.

4 A. SCHMITT, "Die Totenerweckung in 2 Kön 4,8-37. Eine literatur-wissenschaftliche Untersuchung", BZ 19 (1975) 1-25, bes. 1-8. An Schmitts Lösung ist lediglich zu modifizieren, dass auch 32a der Bearbeitung zugehört; die Grundschicht fährt in 33a in der von G* bewahrten Form fort: "Elischa kam in das Haus" (dazu sogleich).

5 Unter Exegeten, die diachrone Hypothesen für sinnvoll halten, wurde das textgenetische Modell Schmitts weitgehend rezipiert. Vgl. etwa W. THIEL, "Jahwe und Prophet in der Elisa-Tradition", Alttestamentlicher Glaube und Biblische Theologie Festschrift H.D. Preuss (Hrsg. J. HAUSMANN – H.-J. ZOBEL) (Stuttgart u. a. 1992) 93-103, bes. 99-100; J. ASURMENDI, "Las curaciones de Eliseo y el relato ficticio", IV Simposio bíblico español (I ibero-americano). Biblia y culturas I (Hrsg. J.R. AYASO MARTÍNEZ u. a.) (Valencia – Granada 1993) 75-84, bes. 75-76; M. ÁLVAREZ BARREDO, Las narraciones sobre Elías y Eliseo en los libros de los reyes. Formación y teología (Publicaciones del instituto teológico franciscano, serie mayor 21; Murcia 1996) 74. Anders P. MOMMER, "Der Diener des Propheten. Die Rolle Gehasis in der Elisa-Überlieferung", Gottes Recht als Lebensraum Festschrift H.J. Boecker (Hrsg. P. MOMMER u. a.) (Neukirchen-Vluyn 1993) 101-115, bes. 103-106, der alle Erwähnungen Gehasis als redaktionell bewertet. Dem fehlen jedoch die nötigen Indizien. Implausibel erscheinen auch die postulierten redaktionellen Motive. 27c-h dürfte kaum geeignet sein, Gehasi als "Sprachrohr" (105) und "Nachfolger" (114) Elischas zu empfehlen.

6 STIPP, Elischa, 6-46.

7 Ebd. 269, 279, 296-297.

8 Elischa ist lediglich ein menschlicher Repräsentant der göttlichen Sphäre, dem die Schunemiterin auch nicht unwissentlich, sondern in voller Einsicht seiner Würde (V. 9) ihre Gastfreundschaft erweist. Zur Verbindung von Theoxenia und Sohnesverheißung im AT (sonst Gen 18,1-15; Ri 13) vgl. H.-J. STIPP, "Simson, der Nasiräer", VT 45 (1995) 337-369, bes. 348, 353; zu den gattungstypischen Konventionen der Sohnesverheißung R. ALTER, "How Convention Helps us Read: The Case of the Bible’s Annunciation Type-Scene", Prooftexts 3 (1983) 115-130; zu den Abwandlungen in 2 Kön 4 ALTER, "How Convention Helps us Read", 125-125; B.O. LONG, 2 Kings (FOTL; Grand Rapids 1991) 56, 60.

9 Anders T.R. HOBBS, "Man, Woman, and Hospitality – 2 Kings 4:8-36", Biblical Theology Bulletin 23 (1993) 91-100; 95: "Contrary to most interpretations of the actions of the woman, I suggest that she is doing no more than one would expect of a ‘great woman’ of the eastern Mediterranean in antiquity". Der Bau und die verschwenderische Ausstattung eines eigenen Zimmers dürfte auch in der levantinischen Antike über das von begüterten Gastgebern erwartbare Maß an Großzügigkeit hinausgegangen sein.

10 Vgl. M.E. SHIELDS, "Subverting a Man of God, Elevating a Woman: Role and Power Reversals in 2 Kings 4", JSOT 58 (1993) 59-69, bes. 61. An V. 13-15 lässt sich illustrieren, wie sich für diachrone Belange aufgeschlossene und die Autorenintention beachtende Auslegung von reiner Endtextexegese unterscheidet. Die Verse wurden zur Vorbereitung von 2 Kön 8,1-6 eingeschoben; deshalb schaltet Elischa seinen Diener als Mittelsmann in die Unterredung mit der Schunemiterin ein (vgl. 8,4-5) und liefert mit der Frage "Gibt es (etwas) zu reden für dich zum König oder zum Heerführer?" (13e) einen Beweis seines staunenerregenden Vorwissens (vgl. 8,3). Dagegen erkennt T.R. HOBBS, 2 Kings (WBC 13; Waco 1985) 47, in Elischas Erkundigung auf der Ebene des Endtextes einen blasierten "attempt at influence peddling", den die Schunemiterin schon aus Gründen der Selbstachtung zurückweisen muss. Diese Interpretation hat mit den Absichten bei der Niederschrift des Passus mit Sicherheit nichts zu tun.

11 Vgl. SHIELDS, "Subverting a Man of God", 60.

12 Nach G. KLINGBEIL, "’Asir los pies‘ – 2 Reyes 4:27 y el lenguaje idiomático en el Antiguo Testamento", Theologika 12 (1997) 4-15; 13, "puede argumentarse que la sunamita cometió realmente una afrenta mayor a Eliseo, ya que agarrando sus pies ... ella tocó su piel desnuda y de este modo violó su espacio personal".

13 Mit L. BIELER, "Totenerweckung durch SUNANAXRWSIS. Ein mittelalterlicher Legendentypus und das Wunder des Elisa", ARW 32 (1935) 228-245.

14 Gen 15,1-5; 16,11-14; 17,15-21; 18,10-15; Ri 13,3-5; 1 Sam 1,9-20; Lk 1,11-20.26-38.

15 Vgl. (der Sache nach) H. GUNKEL, Geschichten von Elisa (Berlin o. J.) 26; H.-C. SCHMITT, Elisa. Traditionsgeschichtliche Untersuchungen zur vorklassischen nordisraelitischen Prophetie (Gütersloh 1972) 96.

16 Zu den redaktionsgeschichtlichen Implikationen der Parallele vgl. STIPP, Elischa, 446.

17 Mit LONG, 2 Kings, 58.

18 Vgl. A. BERLIN, Poetics and Interpretation of Biblical Narrative (Sheffield 1983) 62-63.

19 Bei dem ebenfalls hinter verschlossenen Türen eintretenden Mehrungswunder in V. 4-5 ist der Gottesmann nicht zugegen. Hier geben anscheinend praktische Gesichtspunkte den Ausschlag: Elischa gewährt der Frau das Mirakel als außerordentliches Privileg in ihrer Eigenschaft als Witwe eines JHWHfürchtigen Prophetenjüngers (V. 1), weswegen die Ursache ihres plötzlichen Wohlstands verborgen bleiben soll.

20 Vgl. BIELER, "Totenerweckung" 228-235; O. WEINREICH, "Zum Wundertypus der SUNANAXRWSIS", ARW 32 (1935) 246-264. Altorientalisches Vergleichsmaterial ist zusammengestellt bei S. DAICHES, "Zu II. Kön. IV,34 (Elis$as Handlung durch babylonische Beschwörungstextstellen erklärt.)", OLZ 11 (1908) 492-493; B. BECKING, Een magisch ritueel in jahwistisch perspectief. Literaire structuur en godsdienst-historische achtergronden von 2 Koningen 4:31-38 (Utrechtse Theologische Reeks 17; Utrecht 1992) 12-21.

21 HALAT 174b und HAHW 204b: "sich niederbeugen". Dagegen optieren R. MACH – J. MARKS, "The Head upon the Knees: A Note to 1 Kings 18:42", The World of Islam. Festschrift Ph. Hitti (Hrsg. J. KRITZEK u. a.) (London 1959) 68-73, und LONG, 2 Kings, 58, für "keuchen". Vgl. auch G zu 1 Kön 17,21a und dazu unten Anm. 47.

22 Mit HOBBS, 2 Kings, 52-53.

23 Vgl. sonst Mk 8,22-25. Dort ist das Motiv des sukzessiven Fortschritts allerdings anders verwendet; im Kontext deutet nichts auf eine eingeschränkte Souveränität des Wundertäters Jesus hin. Dies zeigt, dass gewisse Erzählzüge erst im Rahmen von Motivclustern präzise Funktionen annehmen.

24 E. WÜRTHWEIN, Die Bücher der Könige. 1. Kön. 17 – 2. Kön. 25 (ATD 11/2; Göttingen 1984) 293.

25 SCHMITT, "Totenerweckung", 18.

26 HOBBS, 2 Kings, 53.

27 BECKING, Magisch ritueel 8-9. Vgl. auch V. FRITZ, Das zweite Buch der Könige (ZBKAT 10.2; Zürich 1998) 25: "In ... V. 20-31 erscheint die Mutter als unerschütterliche Anhängerin des Propheten". Zu V. 36-37: "Ihr Vertrauen hat den gewünschten Erfolg, und sie dankt Elischa mit entsprechender Verehrung".

28 Vgl. die sensiblen Kommentierungen von A. ROFÉ, The Prophetical Stories. The Narratives about the Prophets in the Hebrew Bible, Their Literary Types and History (Jerusalem 1988) 27-32; LONG, 2 Kings; ferner auch P.J. KISSLING, Reliable Characters in the Primary History. Profiles of Moses, Joshua, Elijah and Elisha (JSOTSS 224; Sheffield 1996) 196.

29 LONG, 2 Kings, 62.

30 G. QUELL, "Das Phänomen des Wunders im Alten Testament", Verbannung und Heimkehr. Festschrift W. RUDOLPH (Hrsg. A. KUSCHKE) (Tübingen 1961) 253-300, bes. 280; zustimmend zitiert von WÜRTHWEIN, Könige, 294.

31 Zur ausführlichen Begründung vgl. STIPP, Elischa, 454-458.

32 Vgl. schon ebd. 432-434, 458-461.

33 Bei V. 34 kann es sich wegen seines Fehlens in GL um eine sehr späte Intrusion handeln. Vgl. zuletzt C. CONROY, "Hiel between Ahab and Elijah–Elisha: 1 Kgs 16,34 in Its Immediate Literary Context", Bib 77 (1996) 210-218.

34 In 1 Kön 18,46c hat G* (< hk)b d() eine ältere Fassung konserviert; vgl. STIPP, Elischa, 433.

35 Wenn E. BLUM, "Der Prophet und das Verderben Israels: Eine ganzheitliche, historisch-kritische Lektüre von 1 Regum xvii-xix", VT 47 (1997) 277-292, neuerdings vertritt, 1 Kön 17-19 sei in einem Zug entstanden, so wünschte man sich eine Erklärung dieser Tatbestände. Die Kap. 17–18 werden durch ihren Rahmen von Kap. 19 separiert, und die Widersprüche zu Kap. 19 sind auch durch Blums (289-290) Postulate leserseitiger Auffüllung des Dargestellten kaum in eine höhere literarische (!) Einheit aufzuheben (und ein Autor, dem es auf die Kurzlebigkeit der Umkehr des Volkes in 18,39 ankam, hätte wohl deutlichere literarische Signale gesetzt statt allein auf die Einsicht der Leser zu bauen). Gleichwohl ist Blums Entwurf ein begrüßenswerter Versuch, die Anzeichen einer kontextabhängigen Komposition der Dürreeinheit in ein auslegerisches Konzept einzubinden.

36 Ez 1,3; 3,22; 8,1 AlT; 33,22; 37,1; 40,1; mit lpn 8,1 MT; hqzx yl( hwhy dyw 3,14; vgl. Jes 8,11; Jer 15,17.

37 2 Kön 3,15 und hierzu H.-J. STIPP, "Traditionsgeschichtliche Beobachtungen zu den Kriegserzählungen der Königsbücher", RB 104 (1997) 481-511, bes. 495-502.

38 Vgl. A. SCHMITT, Entrückung – Aufnahme – Himmelfahrt. Untersuchungen zu einem Vorstellungsbereich im Alten Testament (FzB 10; Stuttgart 1973) 125.

39 Weitere innere Gründe gegen ein hohes Alter der Komposition nennen R. ALBERTZ, Religionsgeschichte Israels in alttestamentlicher Zeit, Teil 1 (ATD Ergänzungsreihe 8/1; Göttingen 21997) 238-241; F. STOLZ, Einführung in den biblischen Monotheismus (Darmstadt 1996) 147.

40 Vgl. HALAT 383a s. v. I 5b.

41 Dieses Detail wurde bei STIPP, Elischa, 452, noch übersehen.

42 Die Feststellung des nachträglichen Einbaus von V. 17-24 folgt einem weitreichenden Konsens; anders neuerdings BLUM, "Der Prophet und das Verderben Israels", 278-280. Die Gleichursprünglichkeit des Passus mit seinem Kontext verteidigt er mit der Versicherung, die Rede von mehreren Söhnen in G* gehe "auf spätere Einwirkung von 2 Reg. iv zurück" (280 Anm. 8). Hätte man mit Rücksicht auf eine entfernte Parallele einen kapitalen Widerspruch zur direkten Fortsetzung in Kauf genommen? Zudem verzichtet 1 Kön 17,8-15 G* im Gegensatz zu 2 Kön 4,1-7 ("zwei") darauf, die Söhne der Witwe zu zählen. Der Zeugniswert der Septuaginta-Pluralvarianten klärt sich, wenn sie als Glieder einer zusammenhängenden Gruppe von Sonderlesarten wahrgenommen werden. Wenn Blum betont, der mutmaßliche Schöpfer von 1 Kön 17–19 (dazu schon oben Anm. 35) habe den Titel "Gottesmann" aus Anlass der Elischa-Parallele auf die Totenerweckung beschränkt (280), fragt man sich, weshalb er ihn nicht schon in 17,8-16 benutzt hat (vgl. 2 Kön 4,7). Zuweilen werden in 17,17-24 vor allem die auf JHWH bezogenen Passagen (V. 20.24d) nochmals jüngeren Händen zugeschrieben. Dafür gibt es nur für V. 20 aufgrund der Abweichungen von G* (s. u.) hinreichenden Anlass.

43 Hierin verdient BLUM, "Der Prophet und das Verderben Israels", Zustimmung; vgl. bes. 288: "Tatsächlich sind die klassischen Propheten doch wohl schon in Sicht, und zwar in der Rückschau". Dass sich die Herleitung der Erzählungen von Elija und Elischa aus dem Nordreich nicht auf sprachliche Gründe stützen kann, betonen W. SCHNIEDEWIND – D. SIVAN, "The Elijah – Elisha Narratives: A Test Case for the Northern Dialect of Hebrew", JQR 87 (1997) 303-337.

44 Vgl. STIPP, Elischa, 454-456.

45 Mit der Übertragung einer Elischatradition auf Elija noch in der mündlichen Überlieferungsphase rechnen S.M. FISCHBACH, Totenerweckungen. Zur Geschichte einer Gattung (FzB 69; Würzburg 1992) 57-60; W. THIEL, "Zu Ursprung und Entfaltung der Elia-Tradition", Was suchst du hier, Elia? Ein hermeneutisches Arbeitsbuch (K. GRÜNWALD – H. SCHROETER) (Rheinbach-Merzbach 1995) 27-39, bes. 36.

46 Aus den Begleitumständen (Ernte V. 18) wird gern geschlossen, der Autor insinuiere einen Hitzschlag; so etwa G. HENTSCHEL, 2 Könige (NEB; Würzburg 1985) 20. Das ist eine mögliche Leseweise, doch erzähltechnisch ist bedeutsam, dass der Text sich vor Festlegungen hütet.

47 Oder mit G*: "Er hauchte" bzw. "keuchte". Der Septuaginta scheint ein Verständnis des Ritus zugrunde zu liegen, wie es gelegentlich für rhg erwogen wird (vgl. oben Anm. 21).

48 Mit BHS.

49 Vgl. J. SIEBERT–HOMMES, "The Widow of Zarephath and the Great Woman of Shunem. A Comparative Analysis of Two Stories", On Reading Prophetic Texts. Gender Specific and Related Studies in Memory of Fokkelien van Dijk-Hemmes (ed. B. BECKING – M. DIJKSTRA) (Leiden u. a. 1996) 231-250, 250.

50 Vgl. Anm. 43.

51 Diese Analyse wird beispielsweise vorausgesetzt von der Einheitsübersetzung: "daß das Wort des Herrn wirklich in deinem Mund ist"; S.J. DEVRIES, 1 Kings (WBC; Waco 1985) 220; KISSLING, Reliable Characters, 116: "truly".

52 Zur Bewertung von Sätzen mit hyh als Nominalsätze vgl. W. RICHTER, Grundlagen einer althebräischen Grammatik. B. Die Beschreibungsebenen. III. Der Satz (Satztheorie) (ATSAT 13; St Ottilien 1980) 80. In Verbalsätzen (auch solchen mit partizipialem Prädikat) trägt tm) in modaler Funktion regelmäßig die Präposition b (zahlreiche Beispiele).

53 kai_ r(h=ma kuri/ou e)n sto/mati/ sou a)lhqino/n.

54 So z. B. NRSV: "that the word of the LORD in your mouth is truth"; WÜRTHWEIN, Könige, 206; V. FRITZ, Das erste Buch der Könige (ZBK AT 10.1; Zürich 1996) 163; BLUM, "Der Prophet und das Verderben Israels", 282; F. CRÜSEMANN, Elia – die Entdeckung der Einheit Gottes. Eine Lektüre der Erzählungen über Elia und seine Zeit (1Kön 17 – 2Kön 2) (München 1997) 38.

55 Sonst Ps 25,10; 119,142.151.160; Dan 8,26; 10,1; 2 Chr 9,5.

56 Vgl. Ex 8,24; 10,8.16.17; Jos 2,11; 9,9.24; 1 Kön 10,9; Jer 40,2; ferner auch Jes 7,13. Freilich sollte man die Eindeutigkeit der Formulierung nicht überschätzen. Denselben Schwur gebraucht Obadja vor Elija in 18,10, obwohl er gerade als treuer JHWH-Verehrer ausgewiesen werden soll. Wie zahlreiche weitere Beispiele belegen, galt "JHWH, dein/euer Gott" als Form respektvoller Anrede, ohne dass sich die Sprecher damit außerhalb der JHWH-Verehrung stellten (Gen 27,20; Dtn 26,3; 1 Sam 12,19; 15,15.21.30; 25,29; 2 Sam 14,11.17; 18,28; 24,3.23; 1 Kön 1,17; 2,3; 13,6.21; 2 Kön 19,4; Jes 7,11; Jer 42,2.3.4.5.13.20.21).

57 Beachtung verdient, wie Elija in V. 20 als der Erwartung widersprechend hinstellt, dass die Witwe die gleiche Behandlung erfährt wie ihre Zeitgenossen: "Hast du sogar über die Witwe, bei der ich mich als Gast aufhalte, Unheil gebracht?". Nach dem Kontext fügt JHWH den Israeliten aufgrund ihrer kultischen Verfehlungen Unheil zu; was Baalsverehrer auf fremdem Territorium sich Strafwürdiges haben zu Schulden kommen lassen, bleibt unklar. Anscheinend zeugt auch diese Frage von der stillschweigenden Verwischung des Unterschieds zwischen inner- und außerisraelitischen Milieus.

58 So z. B.W. THIEL, "Zur Komposition von 1 Könige 18. Versuch einer kontextuellen Auslegung", Die Hebräische Bibel und ihre zweifache Nachgeschichte. Festschrift R. Rendtorff (Hrsg. E. BLUM u. a.) (Neukirchen-Vluyn 1990) 215-223, bes. 215-216; CRÜSEMANN, Elia, 37-38.

59 So mit CRÜSEMANN, Elia, 19: "Man wird deshalb prinzipiell immer wieder mit einem mehrdimensionalen Sinn zu rechnen haben, wie er überall da unausweichlich entsteht, wo Texte in verschiedene und verschiedenartige Kontexte eingebunden werden".

60 Vgl. A. SCHMITT, "Die Totenerweckung in 1 Kön. xvii 17-24", VT 27 (1977) 454-474, bes. 466-470.

61 Vgl. J.L. SKA, "Our Fathers Have Told Us". Introduction to the Analysis of Hebrew Narratives (SubBib 13; Roma 1990) 72: "The prophet seems to lack any emotional life ... Elijah is always the same, imperturbable".

62 Zur mehrfachen Parallelisierung Elijas und Elischas vgl. zuletzt KISSLING, Reliable Characters, 149-151.

63 So z. B. auch FISCHBACH, Totenerweckungen, 59. Anders BLUM, "Der Prophet und das Verderben Israels", der die Erzählung als Episode einer literarisch einheitlichen Komposition Kap. 17–19 liest, die eine "Apologie der Gerichtsprophetie" (288) betreibe. Abgesehen von den literargeschichtlichen Problemen (vgl. Anm. 35), stößt sich die Interpretation mit der Detailgestaltung der Perikope. Wenn Elija das Gericht an der Witwe in Gang setzt, so geschieht dies durch seine Anwesenheit und ohne ein Wort aus seinem Mund. Aktiv wird er hingegen, um JHWH zum Verzicht auf die Strafe zu bewegen, wobei er an die Verdienste (!) der Frau erinnert, die überdies für den Propheten nicht darin bestehen, dass sie sich in einer "harte(n) Glaubensprobe" bewährt habe (282 zu V. 11-16), sondern in ihrer Gastfreundschaft (V. 20). Die Unverzüglichkeit, mit der Elija den Knaben wiederbelebt, fördert den Eindruck, er habe das Gericht weniger rückgängig gemacht als vielmehr verhindert (zumal die Geschichte nicht recht klärt, ob der Junge bereits die Todesschwelle überschritten hat). Zu alldem leistet er seine Fürbitte, ohne dass die Frau ihn darum ersucht hätte. In ihrem Auftreten gibt es nichts, was sich als Rat zum Umgang mit Versagen verwerten ließe. Und welcher klassische Prophet hieß "Gottesmann"? Man fragt sich, wie die Leser darin eine Repräsentation der Gerichtsprophetie erkennen sollten.

64 Vgl. zuletzt M. ÖHLER, Elia im Neuen Testament. Untersuchungen zur Bedeutung der alttestamentlichen Propheten im frühen Christentum (BZNW 88; Berlin – New York 1997) 202-203 (mit vielen Vorgängern).

65 So mit den meisten Kommentatoren.

66 Vgl. E. HAENCHEN, Die Apostelgeschichte (KEKNT 3; Göttingen 71977) 286.

67 Da hier die gegebene literarische Gestalt interpretiert werden soll und keine inner-ntl. traditionsgeschichtliche Rekonstruktion beabsichtigt ist, kann die Scheidung von Überlieferung und lukanischem Anteil auf sich beruhen bleiben. Es wird angenommen, dass die von Lukas akzeptierten Züge seinen Intentionen entsprechen.

68 Vgl. auch Apg 3,12.16; 9,34; 10,26.

69 Gegen die konträre Erklärung dieses Erzählzugs — der junge Mann sei gerade wegen der von den Leuchtern erzeugten Stickluft eingeschlummert — vgl. J. JERVELL, Die Apostelgeschichte (KEKNT 3; Göttingen 1998) 502-503.

70 Vgl. den Einzelnachweis bei R. PESCH, Die Apostelgeschichte. 2. Teilband: Apg 13–23 (EKKNT 5/2; Zürich – Neukirchen-Vluyn 1986) 193.