1 Vgl. S. ALLAM, "De l’adoption en Egypte pharaonique", OrAnt 11 (1972) 277-295; Ders., "Hieratische Ostraka und Papyri aus der Ramessidenzeit", URAÄ 1 (1973) 258-267; Ders., "Papyrus Turin 2021: Another Adoption Extraordinary", Festschrift Théodoridès (Athene–Bruxelles 1993) 23-28; C.J. EYRE, "The Adoption Papyrus in Social Context", JEA 78 (1992) 207-221.

2Vgl. PRU III,54-56; III,64-65; III,70-71; III,75; sowie I. MENDELSOHN, "A Ugaritic Parallel to the Adoption of Ephraim and Manasse", IEJ 9 (1959) 180-183.

3 Vgl. E.-M. CASSIN, L’adoption à Nuzi (Paris 1938); Ders., "L’influence babylonienne à Nuzi", JESHO 5 (1962) 113-138.

4 Vgl. vor allem CH § 185-194; P. KOSCHAKER, Rechtsvergleichende Studien zur Gesetzgebung H}ammurapis, Königs von Babylon (Leipzig 1917).

5 Vgl. M. DAVID, Die Adoption im altbabylonischen Recht (LRWS 23; Leipzig 1927); E.C. STONE – D.I. OWEN, Adoption in Old Babylonian Nippur and the Archive of Mannum-mes$u-lis9s9ur (Mesopotamian Civilisation 3; Winona Lake 1991).

6 Vgl. H.J. BOECKER, "Anmerkungen zur Adoption im Alten Testament", ZAW 86 (1974) 86-89; H. DONNER, "Adoption oder Legitimation? Erwägungen zur Adoption im Alten Testament auf dem Hintergrund der altorientalischen Rechte", OrAnt 8 (1969) 87-119; S. FEIGIN, "Some Cases of Adoption in Israel", JBL 50 (1931) 186-200; F.W. KNOBLOCH, "Adoption", ABD I, 76-79; S. PAUL, "Adoption Formulae. A Study of Cuneiform and Biblical Legal Clauses", Maarav 2 (1979/80) 173-185; M.H. PRÉVOST, "Remarques sur l’Adoption dans la Bible", RIDA 14 (1967) 67-77; J. VAN SETERS, "The Problem of Childlessness in Near Eastern Law and the Patriarchs of Israel", JBL 87 (1968) 401-408; B. STADE, "‘Auf Jemandes Knieen gebären’ Gen. 30,3. 50,23. Hiob 3,12 und Mynb) Exod. 1,16", ZAW 6 (1886) 143-156; R. YARON, "Varia on Adoption", JJP 15 (1965) 171-183.

7 DAVID, Adoption, 1.

8 STONE, Adoption, 33.

9 DONNER, "Adoption", 112.

10 Vgl. DONNER, "Adoption", 111-114; FEIGIN, "Cases", 193-194; KNOBLOCH, "Adoption", 79.

11 Vgl. BOECKER, "Anmerkungen", 87.

12 Um mit Blick auf die alttestamentlichen Texte einen Eindruck von der Form und Funktion einer solchen Urkunde zu erhalten, bieten wir eine Adoptionsurkunde (BE 6/2 24) aus dem altbabylonischen Nippur. Das vollständig erhaltene Dokument berichtet die Adoption zweier Brüder durch ein kinderloses Ehepaar. Weitere Motive, wie die Adoption zur Versorgung der Eheleute im Alter oder die Androhung des Verkaufes als Sklaven bei Ungehorsam, notiert die Urkunde nicht. Datiert wird sie in die Regierunszeit Samsuiluna (1749-1712) ins Jahr 1746:

"Ea-iddinam son of Ipqus$a and Kuritum his wife have adopted Ili-iddinam the eldest brother and Ili-ummati his brother as their sons and have made them their heirs. House and field — all that there is — after the eldest son has taken his preference portion, they will divide equally by casting lots. In future if Ili-iddinam the eldest brother and Ili-ummati his brother say to Ea-iddinam their father and to Kuritum their mother, ‘You are not our father, you are not our mother’, they will forfeit house and field — all that there is — and will be given away for silver. And if Ea-iddinam and Kuritum his wife say to Ili-iddinam their son and to Ili-ummati his brother, ‘You are not our sons,’ they will forfeit house and field — all that there is — and will pay 1 mina of silver. In mutual agreement they have sworn in the name of the king" (Übersetzung nach STONE – OWEN, Adoption, 46).

Unter Zeugen haben die beteiligten Eheleute mit dem Schwur auf den Namen des Königs die urkundliche Vereinbarung bekräftigt. Das Dokument regelt die Annahme der Eheleute Ea-iddinam, der Sohn des Ipqus$a (Z. 3), und seiner Ehefrau Kuritum (Z. 4), der Brüder Ili-iddinam (Z. 1) und Ili-ummati (Z. 2) an Kindes statt. Mit dem Adoptionsformular nam-dumu-ni-s$è ba-da-an-ri "sie haben als Sohn angenommen" wird der Rechtsakt (Z. 5) ausgedrückt (vgl. PAUL, "Adoption", 173-185). Gleichzeitig ist mit der Adoption die Einsetzung der beiden Brüder zu Erben ibila (Z. 6) verbunden, wobei dem älteren das Vorzugserbrecht eingeräumt wird. Da keine weiteren Kinder des Ehepaares erwähnt werden, können wir davon ausgehen, daß die Ehe bislang kinderlos gewesen ist. Ob es sich bei den Brüdern um Waisenkinder, Findelkinder oder zur Adoption freigegebene Kinder handelt, geht aus dem Dokument nicht hervor. Über das Alter der Söhne erfahren wir ebenfalls nichts.

Der Adoptionsvertrag regelt gleichzeitig die Bedingungen für eine mögliche Auflösung des Rechtsverhältnisses (Z. 12-28). Wenn die angenommenen Söhne ihrerseits die Adoption auflösen, verwirken sie ihr Erbe und können gegen Silber weggegeben werden. Lösen die Eltern die Adoption auf, verwirken sie ebenfalls ihren Besitz und müssen 1 Mine Silber zahlen (Z. 28). In der Urkunde wird kein Adoptionspreis für die leiblichen Eltern oder den rechtlichen Vormund erwähnt. Die Ortsangabe ist in dem Schwur, der sich auf den König bezieht, impliziert (Z. 29-30).

Im Blick auf die alttestamentlichen Texte können wir nun wesentliche Charakteristika der vorgestellten Adoptionsurkunde festhalten. Widmen wir uns zunächst dem Adoptor. Nach der von E.C. Stone an den altbabylonischen Urkunden entwickelten Typologie können alle denkbar möglichen Personen einen Sohn oder mehrere Söhne adoptieren: "1. a man alone adopts one or more sons, 2. a man and his wife adopt one or more sons, 3. the sons from a previous marriage are adopted by the new spouse, and 4. a woman alone is the adopter (probable) or the adoptee" (STONE, Adoption, 3-5).

E.C. Stone stellt sechs Kriterien für die Adoption zusammen: "1. Namensübertragung auf den Adoptierten, 2. der Adoptierte wird allgemein als Erbe eingesetzt, 3. die Erbschaft wird genau beschrieben, 4. der Adoptierte schwört, den Adoptoren zu versorgen oder 5. er wird als Sklave verkauft, 6. die Adoptoren zahlen einen Adoptionspreis" (vgl. STONE, Adoption, 4).

Die Adoptionsurkunden werden im allgemeinen mit einer Orts- und Zeitangabe versehen. Neben dem Namen des Adoptors bzw. bei Eheleuten der Adoptoren führt die Urkunde den Namen des angenommenen Sohnes auf. Zur eindeutigen Identifikation werden beim Adoptor und Adoptanten der Vatersname mitangegeben. Nimmt eine Ehepaar ein oder mehrere Söhne an, führt die Urkunde den Namen der Frau an und bezeichnet sie als die Ehefrau des zuvor genannten. Der Rechtsakt wird durch das Adoptionsformular ausgedrückt. Unmißverständlich heißt es, daß der Adoptant zur Sohnschaft gebunden oder als Sohn angenommen wird.

Zahlreiche altbabylonische Urkunden teilen auch den Zweck der Adoption mit: 1. Kinderlose Paare setzten den Adoptanten als Erben ein, 2. die bedrohte Familientradition wird fortgeführt, 3. die Versorgung der Eltern im Alter wird durch den Sohn und dessen Nachkommen gesichert. So gehören erbrechtliche Bestimmungen ebenso wie Bestimmungen über die Auflösung der Adoption zum festen Bestandteil des Vertrages. Sie sind Teil der bisweilen ausführlichen Adoptionsvereinbarungen, die gelegentlich auch den Adoptionspreis regeln. Durch einen Siegelabdruck und den genannten Zeugen wird der Vertrag rechtsgültig (vgl. ausführlich DONNER, "Adoption", 94-96).

13 Vgl. J.E. HARTLEY, Leviticus (WBC 4; Dallas 1992) 295.

14 Vgl. A. LEAHY, "The Adoption of Ankhnesneferibre at Karnak", JEA 82 (1996) 145-165.

15 M. NOTH, Das zweite Buch Mose – Exodus (ATD 5; Göttingen 1959, 61978) 15.

16 Vgl. R.L. HUBBARD, "Ruth IV 17. A New Solution", VT 38 (1988) 293-301.

17 So L. KÖHLER, "Die Adoptionsform von Ruth 4,16", ZAW 29 (1909) 313.

18 Vgl. KÖHLER, "Adoptionsform", 313-314.

19 E. ZENGER, Das Buch Ruth (ZBK 8; Zürich 1985, 21992) 97.

20 Vgl. D.N. FEWELL – D.M. GUNN, "‘A Son is Born to Naomi!’ Literary Allusions and Interpretation in the Book of Ruth", JSOT 40 (1988) 99-108.

21 Vgl. J. WELLHAUSEN, Die Composition des Hexateuchs und der historischen Bücher des Alten Testaments (Berlin 21889, 31899, ND 1963) 59.

22 Vgl. Chr. LEVIN, Der Jahwist (Frlant 157; Göttingen 1992) 311.

23 So irrtümlich FEIGIN, "Cases", 193; sowie LEVIN, Jahwist, 311; umsichtiger E. BLUM, Die Komposition der Vätergeschichte (WMANT 57; Neukirchen-Vluyn 1984) 251-253.

24 Vgl. MENDELSOHN, "Parallel", 180-183.

25 Vgl. H.M. WAHL, "Das Motiv des ‘Aufstiegs’ in der Hofgeschichte. Am Beispiel von Joseph, Esther und Daniel", ZAW 112 (2000).

26 Vgl. H. UTZSCHNEIDER, "Patrilinearität im alten Israel — eine Studie zur Familie und ihrer Religion", BN 56 (1991) 60-97.

27 So STADE, "Auf Jemandes Knieen gebären", 143-148.

28 I. FISCHER, Die Erzeltern Israels. Feministisch-theologische Studien zu Genesis 12-36 (BZAW 222; Berlin–New York 1994) 97.

29 Vgl. W.F. ALBRIGHT, "A Prince of Taanah in the Fifteenth Century B.C.", BASOR 94 (1944) 18.

30 Nach DONNER, "Adoption", 105, handelt es sich nicht um eine Adoption, weil der Begriff Nm) fällt.

31 Vgl. L. DAY, Three Faces of a Queen. Characterization in the Books of Esther (JSOTSS 186; Sheffield 1995) 181-182; 187-189.

32 Vgl. DAY, Faces, 36.

33 Vgl. M. ZLOTOWITZ, The Megillah: The Book of Esther. A New Translation With a Commentary Anthologized From Talmudic, Midrashic and Rabbinic Sources (The ArtScroll Tanach Series; New York 1969, 21976, ND 1987) xxxi-xxxii; 56-57.

34 Vgl. J.D. LEVENSON, Esther (OTL; Louisville 1997) 58.

35 FEIGIN, "Cases", 193-194.

36 DONNER, "Adoption", 112.

37 Vgl. F. FECHTER, Die Familie in der Nachexilszeit. Untersuchungen zur Bedeutung der Verwandtschaft in ausgewählten Texten des Alten Testaments (BZAW 264; Berlin–New York 1998) 258-265.

38 Vgl. M. BURROWS, "Levirate Marriage in Israel", JBL 59 (1940) 23-33; Ders., "The Ancient Oriental Background of Hebrew Levirate Marriage", BASOR 77 (1940) 2-15; P. CRUVEILHIER, "Le lévirat chez les Hébreux et les Assyriens", RB 34 (1925) 524-546; P. KOSCHAKER, "Zum Levirat nach hethitischem Recht", RHAs 3 (1933) 77-89.

39 Vgl. M.A. MORRISON, "The Jacob and Laban Narrative in the Light of Near Eastern Sources", BA 46 (1983) 155-164; R.R. WILSON, Genealogy and History in the Biblical World (YNER 7; New Haven–London 1977) 184-186.

40 Deutliche Parallelen zu den Texten von den Erzeltern Abraham und Sara bieten die Erzählungen von Hanna (1 Sam 1,1-28) und der unbenannten Frau Manoachs (Ri 13,1-24).

41 Vgl. U. BECKER, Richterzeit und Königtum. Redaktionsgeschichtliche Studien zum Richterbuch (BZAW 192; Berlin–New York 1990) 236, 300-303.

42 Vgl. M. WITTE, Vom Leiden zur Lehre. Der dritte Redegang (Hiob 21-27) und die Redaktionsgeschichte des Hiobbuches (BZAW 230; Berlin–New York 1994) 216-217.

43 Vgl. H.-P. MATHYS, Dichter und Beter. Theologen aus spätalttesta-mentlicher Zeit (OBO 132; Freiburg – Göttingen 1994) 126-146; sowie H. SPIECKERMANN, Heilsgegenwart. Eine Theologie der Psalmen (FRLANT 148; Göttingen 1989) 288-289.

44 Vgl. H. GUNKEL, Genesis (HK; Göttingen 1901, 91977) 158, 294, 332.

45 Vgl. BLUM, Komposition, 149-151, 202-203.

46 Vgl. BLUM, Komposition, 440-444.

47 Vgl. LEVIN, Jahwist, 133, 197, 221-223.

48 Vgl. J. VAN SETERS, Prologue to History. The Yahwist as Historian in Genesis (Louisville 1992) 332: "The Yahwist’s history was a product of the exilic period".

49 Vgl. FISCHER, Erzeltern, 89-90.

50 Vgl. LEVIN, Jahwist, 418.

51 Vgl. M. WITTE, Die biblische Urgeschichte. Redaktions- und theologiegeschichtliche Beobachtungen zu Gen 1,1–11,26 (BZAW 265; Berlin–New York 1998) 119-130.

52 Vgl. B. JACOB, Das erste Buch der Tora: Genesis (Berlin 1934, ND New York o.J.) 61, 247.

53 Vgl. A. HURVITZ, "Dating the Priestly Source in Light of the Historical Study of Biblical Hebrew a Century after Wellhausen", ZAW.S 100 (1988) 88-100.

54 Vgl. C. WESTERMANN, Die Verheißungen an die Väter. Studien zur Vätergeschichte (Frlant 116; Göttingen 1976) 92-150.

55 Vgl. BLUM, Komposition, 349-359.

56 Vgl. BLUM, Komposition, 268-270, 420-432; VAN SETERS, Prologue, 270-271, 298-306; WESTERMANN, Verheißungen, 138-146.

57 Vgl. M. WEINFELD, Deuteronomy 1–11 (AB 5; New York u.a. 1991) 25-37.

58 So M. ROSE, 5. Mose (ZBK 5,1; Zürich 1994) 22-26; Ders., 5. Mose (ZBK 5,2; Zürich 1994) 450-452; sowie D. CHRISTENSEN, Deuteronomy 1–11 (WBC 6A; Dallas 1991) 163-165; vgl. zur traditionsgeschichtlichen Abhängigkeit WEINFELD, Deuteronomy, 378-384.

59 Vgl. ROSE, 5. Mose (ZBK 5,2) 533-534.

60 Übersetzung nach M. BUBER.

61 Vgl. F. CRÜSEMANN, Die Tora. Theologie und Sozialgeschichte des alttestamentlichen Gesetzes (München 1992, 21997) 235-248.

62 Vgl. G. BRAULIK, "Gesetz als Evangelium. Rechtfertigung und Begnadigung nach der deuteronomischen Tora", ZThK 79 (1982) 127-160 = SBAB 2 (1988) 123-160; N. LOHFINK, "Gab es eine deuteronomistische Bewegung?", BBB 98 (1995), 313-373 = SBAB 20 (1995) 65-142.

63 Vgl. G. FOHRER, Das Buch Hiob (KAT 16; Gütersloh 1963, 21989) 29-33.

64 Vgl. M. KOLARCIK, The Ambiguity of Death in the Book of Wisdom 1–6. A Study of Literary Structure and Interpretation (AnBib 127; Rome 1991) 88-94.

65 Vgl. H. ENGEL, "Was Weisheit ist und wie sie entstand, will ich verkündigen", EThS 19 (1991) 67-102.

66 Vgl. D. WINSTON, The Wisdom of Solomon (AB 43; New York 1979) 131.

67 Vgl. L. RUPPERT, "Gerechte und Frevler (Gottlose) in Sap 1,1–6,21", BThSt 22 (1993) 1-54.

68 B.-Z. SCHERESCHEWSKY, "Adoption", EncJud 2, 301.

69 Ähnlich wie bei den Inzestverboten (vgl. FECHTER, Familie, 227-232).

70 Vgl. F. STOLZ, Einführung in den biblischen Monotheismus (Die Theologie; Darmstadt 1996) 61-68, 91, 184-196.

71 Vgl. J. JEREMIAS, "Das Proprium der alttestamentlichen Prophetie", ThLZ 119 (1994) 483-494.

72 Das Bild wird dadurch vervollständigt, daß möglicherweise sogar dieselben Kreise, die die Adoption als Rechtsinstitution bewußt ablehnen auf der anderen Seite das aus Ägypten (?) entlehnte kultische Adoptionsformular verwenden (vgl. A. LEAHY, "Adoption", 145-165), um das Verhältnis von Jahwe zu dem messianischen König metaphorisch zu beschreiben (2 Sam 7,14; 1 Chr 17,13; 22,10; 28,6; Ps 2,7; 89,27; Jes 9,5). Es bedarf jedoch einer eigenen Untersuchung, um diese Hintergründe zu beleuchten.