* Meinem Vater zum 24. 10.

1 Im folgenden Text ist nur noch von "Auflage" die Rede.

2 Diese Überlegung ist nichts Neues, s. z. B. TH. ZAHN, Das Evangelium des Johannes (Leipzig 61921) 689-690.

3 Dies ist die Voraussetzung und Erklärung dessen, was K. und B. Aland als "Tenazität" der Überlieferung des NT bezeichnen, s. K. ALAND – B. ALAND, Der Text des Neuen Testamentes (Stuttgart 2 1989) 295-296.

4 a. Die verschiedenen Markus-Schlüsse sind Versuche, die vermeintlichen Mängel des originalen Schlusses von 16, 8 zu beseitigen. Sie lassen sich alle aus einem oder mehreren Gründen mit sehr großer Sicherheit als sekundär erweisen.

        b. Die Adultera-Perikope Joh 7,53–8,11 läßt sich aufgrund sprachlicher Besonderheiten als ein Fremdkörper in Jo erweisen. Dazu paßt, daß die Perikope den Gedankengang zwischen 7, 52 und 8,12-14 unterbricht. Man fragt sich, was sie an dieser Stelle zu suchen hat. Besonderheiten der handschriftlichen Überlieferung bestätigen diesen Befund: (a) Die Perikope findet sich an wechselnden Stellen im NT, (b) Die Perikope selbst ist in ihrem Textbestand sehr unterschiedlich überliefert. Einem Redaktor, der seinen Namen verdient, wäre es zweifellos gelungen, einen Einschub wie diese Perikope, so vorzunehmen, daß die Nähte zur Umgebung des Einschubs weniger offensichtlich wären als in diesem Fall.

        c. Die Apostelgeschichte existiert in zwei Fassungen, deren eine um fast ein Zehntel umfangreicher ist als die andere. Keine der beiden Fassungen, die ich nicht zögere "Redaktionen" zu nennen, ist insgesamt der anderen vorzuziehen, und zwar so wenig, daß selbst das Herausgeberkomitee des Nestle-Aland, das im allgemeinen im NT mit zu bestaunender Sicherheit nach "guten" Handschriften entscheidet, "proceeded in an eclectic fashion, judging that neither the Alexandrian nor the Western group of witnesses always preserves the original text" (B.M. METZGER, A Textual Commentary on the Greek New Testament [Stuttgart 21994] 235).

5 V. MARTIN – J. W. B. BARNS, Papyrus Bodmer II, Suppl., (Bibl. Bodmeriana, Cologny 1962). Manche der hier aufgeführten Sonderlesarten fehlen im Apparat von NESTLE-ALAND, Novum Testamentum Graece (Stuttgart 271993).

6 Während der Arbeit an diesem Papier konnte ich mit Freude feststellen, daß B. Aland diese Einschätzung der überlieferten Handschriftenvarianten teilt: B. ALAND, "Das Zeugnis der frühen Papyri für den Text der Evangelien", The Four Gospels (FS F. Neirynck; [ed. F. VAN SEGBROECK et al.] Leuven 1992) I, 325-335, bes. 329-330.

7 J. ROHDE, Die redaktionsgeschichtliche Methode (Hamburg 1966) 14. G. BORNKAMM, "Die Sturmstillung im Matthäusevangelium", Überlieferung und Auslegung im Matthäusevangelium (Hrsg. von G. BORNKAMM, G. BARTH, G. HELD) (Neukirchen 1960) 50, schließt seinen Aufsatz mit der Bemerkung, es solle nicht das Prinzip der Formgeschichte, die Einzelperikopen als die primären Daten der Überlieferung anzusehen, in Frage gestellt werden.

8 Es handelte sich möglicherweise um das Ägypterevangelium, s. A. RESCH, Agrapha (Leipzig 21906) 252-254. Siehe auch J. H. ROPES, Die Sprüche Jesu (Leipzig 1896) 129-132.

9 J. JEREMIAS, Unbekannte Jesusworte (Gütersloh 21983) 42.

10 ROPES, Agrapha, 146-147; JEREMIAS, Unbekannte Jesusworte, 42.

11 JEREMIAS, Unbekannte Jesusworte, 47-49; ROPES, Agrapha, 148: "Daß sie aus guter alter Überlieferung stanmt und auf wirkliche Erinnerung zurückgeht, kann ich nicht bezweifeln".

12 Irgendeine Sicherheit gibt es nicht. Größte Behutsamkeit ist angeraten. Angesichts der Schwierigkeiten, die Beziehungen von vorhandenen Texten zueinander zu bestimmen, ist die Kühnheit zu bestaunen, mit der die Form- und die Redaktionsgeschichtler über nicht (mehr) vorhandene Texte urteilen. Das gilt nicht zuletzt für den Mut, mit dem über die Quelle Q geurteilt wird.

13 Wenn die Beispiele Nr. 2 und 3 solche Spuren sein sollten, wären sie gewiß nicht hinreichend, um die Grundannahme der Form- und Redaktionsgeschichtler zu bestätigen und das gewichtige Gebäude zu tragen, das sie darauf gründen. Dazu bedürfte es mehr.

14 Aus einer etwas anderen Richtung kommt W. D. KÖHLER, Die Rezeption des Matthäusevangeliums in der Zeit vor Irenäus (WUNT 2, 24; Tübingen 1987), zu einem verwandten Ergebnis. Er bemerkt am Schluß (525) seiner umfangreichen Arbeit: "..nie war die Aufnahme vorsynoptischer mündlicher Tradition wahrscheinlich zu machen".