1 Bibel und Kirche 51 (1996) 15-22.
2 Neben T. Horner deutet auch D.M. GUNN, The Fate of King Saul (JSOTSS 14; Sheffield 1980) 93 die Beziehung zwischen Jonathan und David als ein allerdings einseitiges homosexuelles Verhältnis.
3 Bei den nachfolgend angeführten Beobachtungen geht es allein um die literarische Ebene der David-Jonathan-Geschichten, nicht um die Frage, inwieweit die in ihnen geschilderten Ereignisse historische Realität spiegeln.
4 22 Belege sind dieser Gruppe zuzuordnen. Dabei beschreibt hbh) gleich häufig die Haltung Jhwhs zum Volk wie diejenige des Volkes zu Jhwh.
5 Gen 29,20; 2 Sam 13,15; Spr 5,19.
6 Vgl. dazu die Bemerkung H.J. STOEBES, Das erste Buch Samuelis (KAT; Gütersloh 1973) zu 1 Sam 18,1-4, wonach mit der Wurzel bh) hier mehr gemeint sei als eine blosse Freundschaft, nämlich "die durch den Segen Jahwes gewirkte persönliche Anziehungskraft Davids".
7 Der Zusammenhang zwischen hbh) und Bund bzw. Bundessatzungen wird insbesondere im Dtn greifbar.
8 Vgl. A.A. ANDERSON, 2 Samuel (WBC; Dallas 1989) und H.J. STOEBE, Das zweite Buch Samuelis (KAT; Gütersloh 1994). Dass der Vers als "Lobpreis" der gleichgeschlechtlichen Liebe verstanden werden konnte, wird von H.J. Stoebe ausdrücklich zurückgewiesen. Ebenso bemerkt F. STOLZ, Das erste und zweite Buch Samuel (ZBK; Zürich 1981) zur Stelle, dass der Text "nicht im Sinne von Homosexualität verstanden werden" darf; sondern es gehe "um die Zuneigung von Freunden, die das erste Mannesalter miteinander erlebt haben".
9 So Anderson, 2 Samuel, zur Stelle.
10 Allenfalls wären auch Stellen wie Jes 57,8 und Ez 16,37 dieser Gruppe zuzuordnen, bei denen auf die Fremdgötterverehrung mittels der Metapher sexueller Beziehungen Bezug genommen wird.
11 Es handelt sich dabei um folgende Stellen: Gen 24,67; 29,18.30.32; 34,3; Dtn 21,15 (zweimal).16; Ri 14,16; 16,4.15; 1 Sam 1,5; 18,20.28; 2 Sam 13,1.4.15; 1 Kön 11,1; Hos 3,1 (zweimal); Koh 9,9; Est 2,17; 2 Chr 11,21. Hinzu kommen sieben Belege im Hohenlied.
12 Ein Hinweis auf Rut 4,15 kann an diesem Befund nichts ändern, da die Postulierung einer homoerotischen Beziehung zwischen Ruth und Noëmi, wie sie gelegentlich vorgenommen wird, sich auf keineswegs eindeutigere exegetische Beobachtungen stützen kann, als dies im Fall des Verhältnisses zwischen David und Jonathan der Fall ist.
13 Vgl. zu dieser Deutung die Bemerkungen unter III.
14 Vgl. zu dieser Deutung den Einwand H.J. Stoebes unter III.
15 Genauere Hinweise folgen unten.
16 Vgl. zur Verwendung der Wurzel bh) in 1 Kön 15,5 J.A. THOMPSON, "The Significance of the Verb Love in the David-Jonathan Narratives in 1 Samuel ", VT 24 (1974) 334,338. J.A. Thompson weist mit Berufung auf W.L. Moran darauf hin, dass die politische Konnotation der Wurzel bh)in altorientalischen Texten, insbesondere im Akkadischen, breit belegt ist ("The Significance of the Verb Love" 334,338).
17 "You shall love Assurbanipal, the great crown prince designate, son of Esarhaddon, king of Assyria, your lord, like yourselves" (S. PARPOLA - K. WATANABE, Neo-Assyrian Treaties and Loyalty Oaths [State Archives of Assyria II; Helsinki, 1988] 6:266-268) Vom "Lieben" (ra` mu) ist im Zusammenhang mit assyrischen Vasallenverträgen wiederholt die Rede: Siehe S. PARPOLA K. WATANABE, Neo-Assyrian Treaties 6:207 (Asarhaddon); 9:32 (Assurbanipal).
18 Zur Art der mit bh) bezeichneten Beziehung Jonathans zu David bemerkt J.C. EXUM, Tragedy and Biblical Narrative [Cambridge 1992] 73, zutreffend: "This 'love' is not eros but male bonding".
19 Folgende Belege fallen in diese Kategorie: Gen 34,19; Dtn 21,14; Hld 2,7; 3,5; 8,4; Est 2,14. Allenfalls könnten in diesem Zusammenhang auch diejenigen Stellen genannt werden, in denen es um das Eingehen der Leviratsehe geht (Dtn 25,7.8; Rut 3,13).
20 Vorausgesetzt wird hier, dass auch dann, wenn mit heimlichen homosexuellen Beziehungen zu rechnen wäre, ein öffentlichese Bekenntnis zu einer solchen Beziehung im antiken Israel genauso wie im späteren Judentum nicht möglich war. Diese Voraussetzung erscheint dadurch gerechtfertigt, dass in der Antike bisher kein Zeugnis bekannt wäre, das als Beleg für ein Abweichen von dieser Regel gelten könnte.
21 Nicht ohne Bedeutung ist, dass die erwähnten Stellen (mit Ausnahme der auf Salomo bezogenen) in literarischen Schichten enthalten sind, die dem Beleg in 1 Sam 19,1 nahestehen.
22 David: 2 Sam 15,26; 22,20 (= Ps 18,20); Salomo: 1 Kön 10,9; 2 Chr 9,8.
23 Zum möglichen Zusammenhang zwischen dem Namen "David" und dem Appellativum "Liebling" vgl. J.J. STAMM, Beiträge zur hebräischen und altorientalischen Namenskunde (OBO 30; Freiburg Göttingen 1980) 25-43.
24 Verbindung mit Klh: Gen 24,65; 27,5; 30,14; Num 22,23; Rut 2,8; wahrscheinlich ist, dass auch in Gen 4,8 der offensichtlich unvollständige Text des MT entsprechend der überwiegenden Mehrheit der alten Textzeugen mit hd#&h hkln ergänzt werden muss, was eine sehr enge Analogie der Formulierung zu 1 Sam 20,11 ergibt. Verbindung mit )cy: Gen 27,3; Dtn 14,22; 28,38; Ri 9,27.42; 1 Sam 20,35; 2 Sam 11,23; 14,6 (hier ist ausdrücklich davon die Rede, dass zwei Personen allein miteinander auf das Feld hinausgehen); 18,6; 1 Kön 2,26; 2 Kön 4,39; Jer 6,25; 14,18; Mi 4,10. In 1 Kön 11,29 liegt insofern eine Berührung mit 1 Sam 20,11 und Hld 7,12 vor, als hier vom Aufenthalt zweier Personen allein auf einem Feld die Rede ist, allerdings ohne Verbindung mit )cyoder Klh.
25 Hld 1,2 und 8,1.
26 Der Beleg in Gen 41,40 muss ausser Betracht bleiben.
27 Neben den beiden Belegen im Hohenlied handelt es sich um den Beleg in Spr 7,13.
28 Die folgenden 15 Belege sind hier zu nennen: Gen 27,26.27 (IsaakJakob): 29,13 (LabanJakob); 31,28 und 32,1 (LabanEnkel und Töchter); 33,4 (EsauJakob); 45,15 (JosephBrüder); 48,10 (JakobSöhne Josephs); 50,1 (JosephJakob); Ex 4,17 (AaronMose); 18,7 (MoseJethro); 2 Sam 14,33 (DavidAbsalom); 1 Kön 19,20 (Elisa Eltern); Rut 1,9 (NoëmiSchwiegertöchter); 1,14 (NoëmiOrpa).
29 1 Sam 10,1 (SamuelSaul); 2 Sam 15,5 (Absalom"Bürger"); 19,40 (DavidBarsillai); 20,9 (JoabAmasa).
30 Die Verwendung des Verbs k#$n im Zusammenhang der David-Jonathan-Geschichte (1 Sam 20,41) folgt nach dem Bericht über die Heirat von David und Michal (1 Sam 18,27).
31 Die drei Belege innerhalb der David-Jonathan-Geschichten sind dabei nicht mitgezählt.
32 Zu dieser Gruppe gehören die folgenden acht Belege: 1 Sam 19,6 (Zusage Sauls der Schonung Davids); 24,22f.; 30,15; 2 Sam 19,24; 21,2; 1 Kön 1,51; 2,8. Hinzu kommt ein Beleg, der die Nicht-Schonung des Lebens eines politischen Kontrahenten "zusichert" (1 Kön 2,23).
33 Zu dieser Gruppe gehören die folgenden sechs Belege: 2 Sam 3,9 (Zusage Jhwhs der Thronübernahme Davids); 1 Kön 1,13.17.29f.; 2 Kön 11,4.
34 Vgl. J. Wozniak, "Drei verschiedene literarische Beschreibungen des Bundes zwischen Jonathan und David", BZ 27 (1983) 213-214. Zu den Schwüren in neuassyrischen Vertragsschliessungen siehe S. PARPOLA - K. WATANABE, Neo-Assyrian Treaties XXXVIIf.
35 In Hld 1,16 findet sich ein Beleg für das Adjektiv, in Hld 7,7 einer für das Verb.
36 Gen 44,30.
37 Vgl. zu r#$k auch die Bemerkungen bei P.R. ACKROYD, "The Verb Love- )a4he4b in the David-Jonathan Narratives - A Footnote", VT 25 (1975) 213f. Die politische Deutung wird z.B. auch von R.W. KLEIN, 1 Samuel (WBC; Waco 1983) übernommen.
38 Ohne dass im Falle von Gen 19 und Ri 19 behauptet werden soll, dass der geschlechtliche Aspekt den Fokus des Problems bezeichnet, das in den beiden Berichten geschildert wird. Zu Gen 19 vgl. die aufschlussreiche Studie von K. STONE, "Gender and Homosexuality in Judges 19: Subject-Honor, Object-Shame?", JSOT 67 (1995) 87-107.
39 Die moderne Fragestellung, ob auch dann, wenn festzustellen ist, dass das Verhältnis zwischen Jonathan und David nicht im engeren Sinn als homosexuell verstanden werden kann, doch mit einer gewissen homoerotisch-schwärmerischen Komponente in ihrer Beziehung zu rechnen ist, lässt sich aufgrund der Texte kaum beantworten. Es ist aber zu bedenken, dass grundsätzlich fraglich ist, ob das aus der modernen Psychologie stammende Modell einer solchen Art der Beziehung auf die Lebenswelt des antiken Israel überhaupt anwendbar ist. Zudem müssen solche entwicklungspsychologischen Phasen mit homoerotischen Zügen in Jugendfreundschaften vom Phänomen der Homosexualität im engeren Sinn deutlich unterschieden werden. Nähere Angaben bezüglich der Beschreibung homoerotischer Entwicklungsphasen in der Psychologie siehe bei H.-F. RICHTER, Geschlechtlichkeit, Ehe und Familie im Alten Testament und seiner Umwelt (BET 10; Frankfurt a.M. 1978) 62. Zur Schwierigkeit der inhaltlichen Bestimmung des Terminus "Homosexualität" vgl. die Hinweise bei M. STEWART VAN LEEUWEN, "To Ask a Better Question", Interp 51 (1997) 144-146.
40 Siehe 2 Sam 11. Würde man behaupten, dass ein allfälliges homosexuelles Verhalten Davids in der damaligen Zeit gar nicht auf einhellige Ablehnung gestossen sei, wäre die Hypothese einer bewussten Verschleierung noch weniger plausibel und das Fehlen eindeutiger Hinweise auf ein solches Verhalten noch weniger erklärbar.
41 Die textliche Überlieferung von 1 Sam 18,28 ist nicht klar; nach der Lesart des MT ist Michal Subjekt der Liebe zu David, nach derjenigen der LXX ist Israel Subjekt dieser Liebe.
42 Siehe Wozniak, "Drei verschiedene literarische Beschreibungen", 214.
43 Nach Wozniak, "Drei verschiedene literarische Beschreibungen", 216, scheint die Stellung Jonathans hier derjenigen von Vasallen in hethitischen und syrischen Bündnissen zu entsprechen (vgl. "Drei verschiedene literarische Beschreibungen", 213f.).
44 Vgl. Wozniak, "Drei verschiedene literarische Beschreibungen", 213-214.; zur Stellung der Götter als Zeugen in neuassyrischen Vertragstexten siehe Parpola Watanabe, Neo-Assyrian Treaties XXXVII.
45 Vgl. Wozniak, "Drei verschiedene literarische Beschreibungen", 217.
46 Vgl. Thompson, "The Significance of the Verb Love", 335. Anders H.W. Hertzberg, Die Samuelbücher (ATD; Göttingen 1956) zur Stelle.
47 Vgl. D. Jobling, The Sense of Biblical Narrative (JSOTSS 7; Sheffield 2 1986) 14. Dass der Übergang des Königtums von Saul an David überhaupt als theologisches Problem empfunden wurde, setzt voraus, dass das Königtum als erblich verstanden wurde. Der Ablauf der Ereignisse zeigt, dass diese Voraussetzung bei allen Beteiligten als gegeben angesehen werden muss (speziell zu erwähnen ist hier die Selbstverständlichkeit, mit der Saul-Sohn Ischbaal als Nachfolger Sauls auftrat und von den Nordstämmen anerkannt wurde). Dass neben der Vermittlung des Thronfolgerechts durch Jonathan die Ehe Davids mit Michal ein weiteres Element des Nachweises der Legitimität der Nachfolge Davids auf dem Thron Sauls darstellt, ist wahrscheinlich.
48 So z.B. R.W. KLEIN, 1 Samuel, zur Stelle; Exum, (Tragedy and Biblical Narrative, 74,76; Gunn, The Fate of King Saul, 80 und Jobling, The Sense, 20. Diese Deutung wird von Stoebe, Das erste Buch Samuelis, ohne nähere Begründung zurückgewiesen.
49 Treffend formuliert Jobling: "The relationship between Saul and Jonathan shows both role-identification between the two ... and replacement of Saul by Jonathan" (The Sense, 16).
50 Vgl. zum Ganzen Jobling, The Sense,19.
51 Vgl. R.W. Klein,1 Samuel, zur Stelle.
52 In seinem Kommentar zu 1 Sam 23 bestreitet Stoebe, dass diese Stelle dahingehend interpretiert werden darf, "dass Jonathan sich selbst als präsumptiven Nachfolger seines Vaters ansieht, aber auf seine Rechte verzichtet, um sich von vornherein mit einer zweiten Stelle zu begnügen".
53 Identifizierung Jonathans und Davids und Ersetzung Jonathans durch David lassen sich bereits in 1 Sam 17 feststellen: So, wie Jonathan in 1 Sam 14 militärtechnisch betrachtet aus einer hoffnungslos inferioren Position heraus einen Sieg gegen die Philister erringt, so gelingt es David in 1 Sam 17, aus einer analogen Position der Schwäche heraus den Philister Goliath zu überwinden; und wie der Sieg Jonathans in 1 Sam 14 theologisch begründet wird (V. 6: " Jhwh ist es ein leichtes, zu helfen, es sei durch viel oder durch wenig"), so wird auch der Sieg Davids in 1 Sam 17 in ähnlicher Weise auf Gottes Wirken zurückgeführt (V. 37: " Jhwh, der mich aus der Tatze des Löwen und des Bären errettet hat, wird mich auch aus der Hand dieses Philisters erretten"; V. 47: " Jhwh schafft nicht durch Schwert und Speer Sieg ...").
54 Dabei ist es nicht einmal entscheidend, ob die Gesetzesbestimmungen von Lev 18 und 20 oder eine Vorform dieser Bestimmungen für die Zeit Davids oder des Erzählers der Aufstiegsgeschichte vorausgesetzt werden können; denn wenn der Bericht über Sodom und Gomorrha in Gen 19, in dem das Thema der homosexuellen Beziehungen ebenfalls auftaucht, J zuzuweisen ist und wenn J in die Zeit Salomos zu datieren ist, liegt ein in die Nähe der Zeit Davids reichender Beleg für die Ablehnung homosexuellen Verhaltens in der Jhwh -Religion ohnehin vor. Aber auch dann, wenn überhaupt keines der schriftlichen Zeugnisse über die Ablehnung homosexuellen Verhaltens dieser Zeit zugerechnet wird, lässt sich die Beobachtung nicht umgehen, dass ein Zeugnis für eine positive Bewertung homosexuellen Verhaltens bisher nicht vorliegt.
55 Von einem Bund, der vor Jhwh geschlossen wird, ist in 1 Sam 20,8 und 23,18 die Rede, von Jhwh als Zeuge des gegenseitig bindenden Schwurs in 1 Sam 20,23 und 42.
56 Wenn man nicht überhaupt bestreitet, dass die Bestimmungen in Lev 18,22 und 20,12 grundsätzlich gegen jede Art homosexuellen Verhaltens gerichtet sind, wie das etwa S. Schroer und T. Staubli tun ("Saul, David und Jonatan", 16f.; anders dagegen z.B. K. HOHEISEL, "Homosexualität", RAC 16 [1994] Sp. 328). Dass Lev 18,22 und 20,12 nicht gegen jede Art homosexuellen Verhaltens gerichtet sein sollten, konnte m.E. bisher nicht einsichtig gemacht werden; die Frage kann hier aber nicht weiter verfolgt werden.
57 K. HOHEISEL vermutet, dass die Verbote von Lev 18,22 und 20,13 bereits in der vorstaatlichen Sippenverfassung wurzeln ("Homosexualität" Sp. 332).
58 So Schroer - T. STAUBLI, "Saul, David und Jonatan", 15.
59 Siehe W.H. Schmidt, Die Zehn Gebote im Rahmen alttestamentlicher Ethik (EdF 281; Darmstadt 1993) 10.117.
60 Vgl. R.W. Klein,1 Samuel, zur Stelle. Das setzt aber nicht voraus, dass diese Bestimmungen schon in der jetzt greifbaren kodifizierten Form vorgelegen haben müssen.
61 Zum Davidbild des Alten Testaments (ausserhalb der Samuel- und Königebücher) siehe v.a. Jes 9,6; 16,5; 22,9.22; 55,3; Jer 13,13; 17,25; 22,2.4.30; 23,5; 29,16; 30,9; 33,15.17.21-22.26; 36,30; Ez 34,23-23.; 37,24-25.; Hos 3,5; Am 6,5; 9,11; Sach 12,8.10.12; 13,1; Esr 3,10; 8,20; Neh 3,15; 12,24.36-37.45-46; hinzu kommen die Erwähnungen Davids in den Chronikbüchern und in den Psalmen (73mal in Psalmüberschriften), sowie indirekte Bezugnahmen wie "Wurzelschoss Isais" in Jes 11. Zum Davidbild des Neuen Testaments siehe v.a. Mt 1,6.17.20; 9,27; 12,3.23; 15,22; 20,30f.; 21,9.15; 22,42f.45; Mk 2,25; 10,47-48; 11,10; 12,35-37; Lk 1,27; 2,4; 3,31; 6,3; 18,38-39; 20,41-42.44; Apg 1,16; 2,25.29.34; 4,25; Rom 1,3; 4,6; 11,9; 2 Tim 2,8; Offb 3,7; 5,5; 22,16.
62 Zu den späteren Schichten des Alten Testaments sind Lev 18,22 und 20,13 dann zu rechnen, wenn man den üblichen Datierungen des Heiligkeitsgesetzes folgt. Zur Haltung des nachbiblischen Judentums siehe z.B. San 55a; 73a; Suk 29a; Yev 55b. Zusammenfassende Hinweise und Literaturangaben finden sich bei Hoheisel, "Homosexualität" Sp. 333-337. In bezug auf das Neue Testament sind die folgenden Stellen zu nennen: Rom 1,26-27; 1 Kor 6,9; 1 Tim 1,10. Zur Interpretation dieser Stellen siehe z.B. K. HAACKER, "Exegetische Gesichtspunkte zum Thema Homosexualität", ThBeitr 25 (1994) 173-180.
63 Ein weiterer Punkt ist hier zu bedenken: Selbst dann, wenn die Beziehung zwischen Jonathan und David tatsächlich eine homosexuelle wäre, würde das über die Normativität dieser Beziehungsform noch nichts sagen. Wollte man aus einer einmaligen Episode des Alten Testaments, die vom Erzähler nicht unmittelbar kritisiert wird, eine generelle Erlaubnis für entsprechende Verhaltensweisen ableiten, die überzeitlich gilt, könnte man etwa mit Berufung auf 2 Sam 8,2 nicht nur die Rechtfertigung von Eroberungskriegen, sondern auch die Rechtfertigung der willkürlichen Tötung von zwei Dritteln der Bevölkerung des unterworfenen Landes ableiten. Dass diejenigen, die in David und Jonathan eine Rechtfertigung für homosexuelle Beziehungen sehen möchten, diese konsequente Schlussfolgerung zu ziehen bereit wären, ist nicht anzunehmen.
64 Dr. theol. Beat Weber-Lehnherr danke ich herzlich für die kritische Durchsicht des Manuskripts und hilfreiche Anmerkungen.