1 Vgl. dazu die ausführliche Behandlung in M. D. JOHNSON, The Purpose of the Biblical Genealogies with Special Reference to the Setting of the Genealogies of Jesus (MSSNTS 8; Cambridge 21988; 11969) 139-252, und C. BURGER, Jesus als Davidssohn (FRLANT 98; Göttingen 1970) 91-102, 116-123.

2 Nach 2 Chr 3,17-19 MT ist Serubbabel eine Neffe Schealtiels, dagegen heißt es in LXX (1 Par 3,19): kai uioi Salaqihl: Zorobabel kai Semei. Als Sohn Schealtiels wie in Mt und Lk wird er in Esr 3,2.8; 5,2; Neh 12,1; Hag 1,1.12.14; 2,2.23 vorgestellt.

3 Nach H. J. HOLTZMANN, Synoptiker (HC I/1; Tübingen – Leipzig 31901) 39: "beruht die 2. Genealogie [Lk] auf der Ueberlegung, dass der Messias nicht wohl abgöttische Könige unter seinen Ahnen zählen dürfe"; W. SCHMITHALS, Das Evangelium nach Lukas (ZBK.NT 3.1; Zürich 1980) 56: "Soll damit der Vorstellung eines politischen Messias gewehrt werden? Eher galt dem Verfasser des lukanischen Stammbaums die Seitenlinie nicht als ähnlich sündig wie die königliche Linie". J. KREMER, Lukasevangelium (NEB.NT 3; Würzburg 1988) 50: "vielleicht wegen des Abfalls Salomos und seiner Nachkommen".

4 So v.a. JOHNSON, The Purpose of the Biblical Genealogies, 240-252. Johnson verweist auf eine einzige Tg-Handschrift, den Codex Reuchlinianus des Tg zu Sach 12,12, wo es heißt: dwd rb )yybn Ntn-tyb, auf ein Julius Africanus-Zitat bei Eusebius, Quaestiones Evangelicae ad Stephanum IV 1 (PG 22, 899), wo freilich nicht viel mehr steht, als daß David und seine Söhne auch Propheten waren: ei gar profhthj o Naqan, allomwj kai Solomwn o te toutwn pathr ekaterou: ek pollwn de fulwn egenonto profhtai. Ein dritter Zeuge ist Eusebius selbst, ebd. III 2 (PG 22, 895), der schreibt, daß alle Juden darin übereinstimmten, der Messias werde Nachkomme Davids sein, daß jedoch einige meinten, er werde von Salomo und dem genoj basilikon stammen, während andere im Blick auf Jer 22,24-26 und 36,30-31 einen Nachkommen Jojakims ausschließen und an die Seitenlinie über den Davidssohn Natan denken, oj hn tou Dabid paij, fasi de ton Naqan kai profhteusai kata ta en taij Basileiaij feromena. Lukas überlasse es Matthäus, den wahren Stammbaum Jesu aufzulisten und referiere mit dem Zusatz wj enomizeto ("wie man annahm", Lk 3,23) selbst diese irrige Auffassung einiger Juden (thn toutwn anistorwn docan ou thn autou). Eusebius geht bereits von der zu erklärenden Differenz zwischen Lk und Mt aus und findet eine Erklärung dafür. Vor Eusebius ist die Identifikation des Davidssohns mit dem Propheten Natan nicht belegt. P. G. MÜLLER, Lukas-Evangelium (SKK.NT 3; Stuttgart 1984): "Daß in V. 31 der Prophet Natan als Sohn Davids im Stammbaum erscheint, mag die lukanische Absicht, Jesu prophetische Berufung zu begründen, verdeutlichen". Müller verweist nicht darauf, daß das AT den Davidssohn Natan (2 Sam 5,14) streng vom Propheten (2 Sam 7; 12) unterscheidet. Vorsichtiger J. ERNST, Das Evangelium nach Lukas (RNT; Regensburg 1993) 122: "Die Gründe für eine solche Abweichung [Natan statt Salomo] sind nicht recht einsichtig. Soll Nathan (in Anlehnung an den gleichnamigen Propheten [2 Sam 7,1-3; 12,1]) vielleicht die prophetische Herkunft Jesu betonen? Oder klingt hier der Fluch über Jojakim, daß keiner seiner Nachkommen auf dem Thron des David sitzen werde (Jer 22,24-30; 36,30-31), nach?".

5 Vgl. J. FITZMYER, The Gospel according to Luke I–IX (AB 28; Garden City 1981) 497: "This intriguing interpretation would fit in with the Lucan portrait of Jesus as a prophet; but there is no evidence that such an identification existed in pre-Christian Judaism or in the pre-Lucan Christian community".

6 Z. B. FITZMYER, The Gospel according to Luke, 497.

7 Raschi kommentiert zu Sach 12,12: "Haus Natan: der Prophet. Einige aber sagen: der Sohn Davids wie es heißt in 2 Sam 5". C. STUHLMUELLER, Haggai & Zechariah (ITC; Grand Rapids 1988) 149: "The reference to ‘the house of David [and] the house of Nathan [and] the house of Levi [and] the family of the Shimeites’ is not totally clear ... According to two different interpretations the text is referring either to the family of two royal personages (David and his son Nathan, 1 Chr. 14:4) and to two priestly personages (Levi and his grandson Shimei, Num. 3:16-18; 1 Chr. 6:16-17), or to a representative of the four principal classes of biblical tradition: the royal (David, 1 Sam. 16:1-13), the prophetic (Nathan, 2 Sam. 7:2), the priestly (Levi, Deut. 33:8-11), and the sapiential (Shimei, 1 Kgs. 4:18, a difficult reference)". C. L. MEYERS – E. M. MEYERS, Zechariah 9–14 (AB 25C; New York 1993) 346-347, zählen einfach verschiedene Interpretationsmöglichkeiten auf; D. L. PETERSEN, Zechariah 9–14 & Malachi (OTL; London 1995) 122-123 sieht in Sach 12,12-13 zwei Könige und zwei Priester.

8 H. W. WOLFF, Micha (BK XIV/4; Neukirchen 1982) 116: "Der Blick des Propheten wendet sich von Jerusalem ab und dem 9 km südlich von ihm gelegenen Landstädtchen zu. Das Ende der bisherigen davidischen Dynastie von Jerusalem wird vorausgesetzt (4,14; vgl. Jer 22,30). Es ist als werde die Anschauung von Jes 11,1 aufgegriffen und weitergeführt: der Baum ist gefällt, aber aus dem Wurzelstumpf (Isai, Davids Vater) sprießt ein neuer Trieb". Wenn Wolff im weiteren von einer "indirekten Revision der Natanverheißung" durch Mich 5,1 spricht, geht er zu weit. Mich 5,1 verwirft zwar die Jerusalemer Dynastie, hält aber gerade an David und damit an der Natanverheißung fest. J. L. MAYS, Micah (OTL; London 1976) 115: "The purpose of the double name, Bethlehem Ephrata, seems clear. Both are associated with the origin of David before he became king in Hebron and Jerusalem". A. DEISSLER, Zwölf Propheten II (NEB 8; Würzburg 21986): "Auf die unscheinbaren Anfänge der Daviddynastie will [Vers] 1 hinweisen und dartun, daß die Natanszusage (2 Sam 7) von Jahwe eingehalten wird, allerdings durch einen Rückgriff auf den ‘Baumstumpf Isais’, wie Jes 11,1 den Neubeginn bildhaft nennt (zugleich mit Tadel der bisherigen Davididen)".

9 Man könnte in Mich 5,1 theoretisch wie in Jes 11,1 auch an einen Rückgriff vor David (auf Isai) denken, aber dafür spricht im Michatext nichts. Eine Reihe von Autoren, wie WOLFF, Micha, 116, B. RENAUD, La Formation du Livre de Michée (Paris 1977) 241, meinen, Mich 5,1 wolle mit "Betlehem Efrata" nicht einen Herrscher aus David ankündigen, sondern die Erwählung eines Herrschers "nach Analogie der Erwählung Davids". Mich 5,1 legt von sich her nicht nahe, daß die Natanverheißung aufgegeben wäre. Ganz sicher aber hat Lukas Mich 5,1 nicht als Revision der Natanverheißung gelesen, an deren Erfüllung er in 1,32f ausdrücklich festhält. Lukas muß an einen Herrscher "aus David" nicht "wie David" denken.

10 L. C. ALLEN, The Books of Joel, Obadiah, Jonah and Micah (NIC; London 1976) 343.

11 WOLFF, Micha, 117: "Die Heilsgeschichte Israels soll aufs neue beginnen. Wenn sie auch nicht die geradlinige Fortsetzung der Jerusalemer Königsgeschichte sein wird, so wird sie doch deren ‘uralten Ursprüngen’ entsprechen. der Abstraktplural tw)cwm ... weist auf die ‘Herkunft’ und nimmt die Wurzel )cy ‘hervorgehen’ aus aß und das doppelte Nm (‘aus der Vorzeit, aus uralten Tagen’) das vorangehende Kmm noch einmal auf, um die Identität des Urbeginns (ähnlich wie mit Isai in Jes 11,1) in Betlehem hervorzukehren. Letztlich ist mit dem Hinweis auf die ursprüngliche Herkunft die Selbigkeit des verheißenden Gottes betont und seine Treue zu den ursprünglichen Verheißungen trotz aller menschlichen Untreue und geschichtlichen Umbrüche. Die Ausdrücke Mdqm ‘seit alters’ und Mlw( ymym ‘seit uralten Tagen’ finden sich im Blick auf die Tage Davids in Neh 12,46 und Am 9,11". Die Frage, warum Lukas mit Natan einen der in Jerusalem geborenen Söhne Davids wählt (1 Sam 5,13-16; 1 Chr 3,5-9) und nicht einen der in Hebron geborenen (1 Sam 3,2-5; 1 Chr 3,1-4), findet, wenn Lukas nicht einfach nur den nächstbesten unmittelbar neben Salomo erwähnten Davidssohn als Haupt der von ihm angestrebten Seitenlinie gewählt hat, wohl darin ihre Antwort, daß David in 1 Sam 5,13-16 noch nicht König von ganz Israel und Juda ist.

12 DEISSLER, Zwölf Propheten II, 185-186; ALLEN, The Books of Joel…, 332, 339-340.

13 dwdg tyb yddgtt ist zwar ein Wortspiel von der Art, wie sie in Mich 1,8-16 z. B. dauernd vorkommen, aber dwdg heißt hier, wie sonst im AT auch, "Horde", "Bande", "Rotte" und bezeichnet an dieser Stelle wohl wie in 2 Kön 24,2 die fremden Belagerungstruppen. Angesprochen ist, wie schon in 4,9 und 4,11 die Tochter Zion, diesmal als belagerte. Vgl. W. RUDOLPH, Micha, Nahum, Habakuk, Zephanja (KAT XIII/3; Gütersloh 1975) 94. ALLEN The Books of Joel…, 341: "The scene is concisely set by the new title Lady under attack in place of Lady Zion".

14 +p#$ "Richter" ist wohl gewählt, um ein Spiel mit +b#$, "Stock", "Szepter" zu erzeugen.

15 C. F. KEIL, Die zwölf Kleinen Propheten (Biblischer Commentar über das Alte Testament III,4; Leipzig 31888) 346: "Die Belagerung führt zur Eroberung; denn nur infolge dieser kann der Richter Israels mit dem Stocke auf die Backe geschlagen d. h. schimpflich mißhandelt werden". WOLFF, Micha, 115, bezieht Mich 4,14 auf die Gefangennahme Zidkijas und den Untergang der Monarchie 587.