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Tobias Nicklas, «Der Text und die Texte. Berührpunkte von Textkritik, Textgeschichte und Interpretationsgeschichte am Beispiel von Ps 126», Vol. 81 (2000) 252-261
Even the examination of short and manageable sections of a text such as that of Psalm 126 shows the benefit of combining the tools of textual criticism, the history of the text and the interpretation of the text in the formulation of a question. All of these elements have become interwoven in complicated and mutually dependent links, which to a certain degree can no longer with certainty be subdivided or separated. In this context the texts from Qumran constitute a new component which must be integrated, and owing to their ancient dating, they are of crucial importance.
<p ALIGN="JUSTIFY">Wie kaum ein Feld biblischer Exegese hat aufgrund der Textfunde von Qumran die Disziplin der alttestamentlichen Textkritik in den letzten Jahrzehnten einen geradezu revolutionär zu nennenden Paradigmenwechsel erfahren, der sich vor allem in den wichtigsten Arbeiten E. Tovs<a href="Ani08n.html#1"><font color="#0000FF"><sup>1</sup></font></a>
niedergeschlagen hat. Dabei ist noch längst nicht alles Material veröffentlicht, geschweige denn wissenschaftlich verwertet. Vor diesem Hintergrund ist die große Untersuchung P.W. Flints<a href="Ani08n.html#2"><font color="#0000FF"><sup>2</sup></font></a>, die in aller Ausführlichkeit das in der judäischen Wüste gefundene Gesamtmaterial an Psalmentexten verarbeitet, umso mehr zu würdigen. Von unschätzbarem Wert sind vor allem Flints Übersichten und Beschreibungen der Psalmenmanuskripte aus Qumran sowie die tabellarischen Auflistungen der in den Manuskripten enthaltenen Varianten. Die folgende Untersuchung hat nun nicht eine Auseinandersetzung mit den vieldiskutierten Thesen Flints zur Entstehung des Psalters zum Ziel<a href="Ani08n.html#3"><font color="#0000FF"><sup>3</sup></font></a>, sondern möchte aufzeigen, in welcher Weise sich die von Flint aufbereiteten Materialien aus Qumran für weitere Forschungen auswerten lassen:</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> (1) Auf <i>deskriptiver Ebene</i> hat Flint vor allem die Varianten und Bezüge der Qumran-Manuskripte zum masoretischen Text (= MT) und zur LXX aufgewiesen. Es wäre nun notwendig, diese Varianten und Bezüge für <i>einzelne Manuskripte</i> und wiederum <i>einzelne Texte</i> noch stärker herauszuarbeiten und zu werten. Daneben sieht es auch Flint als ein lohnendes Unternehmen an, Bezüge zur syrischen Überlieferung aufzuzeigen<a href="Ani08n.html#4"><font
color="#0000FF"><sup>4</sup></font></a>.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> (2) Auf <i>überlieferungsgeschichtlicher </i>und <i>rezeptionsgeschichtlicher Ebene</i> kann nun auch für einzelne Texte ein zusätzliches Stück des Weges nachgezeichnet werden.</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> (3) Auf <i>theologischer Ebene</i> ist es notwendig, sowohl für einzelne Texte, als auch für gesamte Manuskripte sich in den Varianten eventuell zeigende Tendenzen herauszuarbeiten — ein insgesamt weiter, vielleicht steinig erscheinender, aber sicherlich lohnender Weg. </p>
<pageBreak> <p ALIGN="JUSTIFY"> Ein kleines Stück dieses Weges soll nun an einem übersichtlichen Beispiel skizziert werden. Für die Auswahl von Ps 126 spricht neben seiner Kürze auch die Tatsache, dass er zumindest fragmentarisch in drei unterschiedlichen Manuskripten aus Qumran erhalten ist. Während 11QPs<sup>a</sup> bis auf einige Worte den Text des gesamten Psalmes bietet, finden sich in 4QPs<sup>e</sup> die VV. 126,1-5 und in 1QPs<sup>b</sup> zumindest ein Teil von V. 126,6.</p>
<p><i> </p> <p>11QPs<sup>a</sup> iv 9-15</i><a href="Ani08n.html#5"><font color="#0000FF"><sup>5</sup></font></a></p> <p ALIGN="RIGHT"><font FACE="SPTiberian"> hwhy bw#b twl(mh ry#</font> <sup>1</sup> <br>
<font FACE="SPTiberian">wnnw#lw wnyp qwx# )lmy z) </font><sup>2</sup><font
FACE="SPTiberian"> Mymwlxk wnyyh </font>[ ]<br> <font FACE="SPTiberian">M( tw#(l hwhy lydgh Myywgb wrm) </font>[ ]<br>
<font FACE="SPTiberian">Myxm# wnyyh wnM( tw#(l hwhy ly </font>[ <sup>3</sup> ]<br> <font FACE="SPTiberian">My(rwzh </font><sup>5</sup><font FACE="SPTiberian"> bgnb Myqyp)k wnytwb# t) hw</font>
<a href="Ani08n.html#6"><font color="#0000FF"><sup>6</sup></font></a> [ <sup>4</sup> ]<br> <font FACE="SPTiberian">(rzh K#m y)#wn wkbw Kly Kwlh </font><sup>6</sup><font
FACE="SPTiberian"> wrwcqy h </font>[ ]<br>
<font FACE="SPTiberian">wtwmwl) y)#wn hn</font>[ ]</p> <p><i> </p> <p>4QPs</i>e<i><sup> </sup>26 i 5-9</i><a href="Ani08n.html#7"><font color="#0000FF"><sup>7</sup></font></a></p> <p ALIGN="RIGHT"> <font FACE="SPTiberian">twb# t)</font>[<font FACE="SPTiberian"> </font>]<font FACE="SPTiberian">hy bw#b twl(mh ry#</font>
<sup>1</sup> <br> <font FACE="SPTiberian">hnr wnn</font>[ ]<font FACE="SPTiberian">lw wnyp qwx# )lmy z) </font><sup>2</sup> <font FACE="SPTiberian">Mymlxk</font>[ ]<br> <font FACE="SPTiberian">lydgh</font> <sup>3</sup> <font FACE="SPTiberian">hl) M( tw#(l hwhy lydgh Myywgb</font>[ ]<br>
<font FACE="SPTiberian">t</font>[ ]<font FACE="SPTiberian"> hwhy hb# </font><sup>4</sup> <font
FACE="SPTiberian">Myxm# wnyyh</font>[ ]<br> [ ] <font FACE="SPTiberian">h(mdb My(rwzh </font><sup>5</sup> <font FACE="SPTiberian">bgnb</font>[ ]</p>
<p><i> </p> <p>1QPs<sup>b</i><a href="Ani08n.html#8"><font color="#0000FF">8</font></a></sup></p> <p ALIGN="RIGHT">]<font FACE="SPTiberian">mwl) y)#wn</font>[</p> <p ALIGN="CENTER"> </p> <p ALIGN="CENTER">Einbettung der Texte in die Sammlung</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> In allen drei Manuskripten, in denen Ps 126 oder Teile davon enthalten sind, lässt sich beobachten, dass der Text in die Reihe der sog. "Wallfahrtspsalmen" eingebettet ist, wobei die masoretische Reihenfolge nicht durchbrochen wird.</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> 1QPs<sup>b</sup> bietet Ps 126,6 und 127,1-5. Außerdem ist Ps 128,3 erhalten. Über weitere Abfolgen kann nichts gesagt werden<a href="Ani08n.html#9"><font color="#0000FF"><sup>9</sup></font></a>.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> 4QPs<sup>e</sup> enthält in Frag. 26 i ebenfalls eine Reihe von Wallfahrtspsalmen mit der Abfolge 125–126, worauf wahrscheinlich Ps 127 und 128 folgten. </p> <pageBreak> <p ALIGN="JUSTIFY">Erhalten sind außerdem Reste von Ps 120 (Frag. 25), sowie Ps 129 und 130 (Frag. 26 ii)<a href="Ani08n.html#10"><font color="#0000FF"><sup>10</sup></font></a>.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> Auf den Überresten der großen Psalmenrolle 11QPs<sup>a</sup> finden sich als erhaltene Texte Teile von 41 Psalmen aus den beiden letzten Büchern des kanonischen Psalters, also aus Ps 90–150. Auffallend ist dabei sofort die nichtkanonische Anordnung der bekannten Psalmen. Daneben finden sich ab Kolumne xviii Kompositionen, die überhaupt nicht aus dem kanonischen Psalter bekannt sind, ja einige bis zur Entdeckung der großen Psalmenrolle unbekannte Texte wie "Plea for Deliverance" (Kol. xix), "Apostrophe for Zion" (Kol. xxii), "Hymn to the Creator" (Kol. xxvi) und die "David’s Compositions" (Kol. xxvii), die einzige Prosakomposition der gesamten Sammlung<a
href="Ani08n.html#11"><font color="#0000FF"><sup>11</sup></font></a>. Sie preist David als den Autor von 4050 Psalmen und Liedern. Vor diesem Hintergrund ist es besonders auffallend, dass auch 11QPs<sup>a</sup> in den Kolumnen iii bis vi die nahezu vollständige Reihe der masoretischen Wallfahrtspsalmen von Ps 121<a href="Ani08n.html#12"><font
color="#0000FF"><sup>12</sup></font></a> an bis 132 bietet. Nach Ps 132,18 (Kol. vi 10) folgt, signalisiert durch freies Zeilenende, mit Ps 119 eine neue Einheit. Im Gegensatz zur masoretischen Reihenfolge sind also in 11QPs<sup>a</sup> die beiden Psalmen 133 und 134 nicht mit der Sammlung der Wallfahrtspsalmen verbunden. Dies ist umso erstaunlicher, als sich zumindest für Ps 133 die Überschrift <font FACE="SPTiberian">dywdl twl(mh ry#</font>
erhalten hat (Kol. xxiii 7) — Ps 134 ist in V. 1 leider fragmentarisch.</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Die genannten Manuskripte setzen also eine zumindest bis zu einem gewissen Grade festgefügte Sammlung bzw. Teilsammlung der Wallfahrtspsalmen voraus. Interessant ist, dass mit 11QPs<sup>a</sup> das einzige Manuskript, in dem Ps 133 <i>und </i>134 enthalten sind, insgesamt ihre Reihenfolge (auch die Tatsache, dass sie nach 120–132 stehen) und bei Ps 133 auch die Überschrift bewahren. Es darf also die Möglichkeit nicht außer acht gelassen werden, dass 11QPs<sup>a</sup> die Gruppe der Wallfahrtspsalmen als Gesamteinheit kannte, sie zum Teil (Ps 120–132) auch als solche einfügte, die Ps 133 und 134 aber aus der vorliegenden Sammlung herauslöste und an späterer Stelle in die eigene Sammlung einbettete<a href="Ani08n.html#13"><font color="#0000FF"><sup>13</sup></font></a>.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> </p> <p ALIGN="CENTER">Kleinere Varianten in den Qumranmanuskripten — eingeordnet<br> in die Überlieferungsgeschichte des Textes</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Ps 126 wird in 11QPs<sup>a</sup> durch Alinea von Ps 125 abgegrenzt. In 4QPs<sup>e</sup> besteht zwischen Ps 125 und 126 zumindest ein Spatium, jedoch beginnt Ps 126 in derselben Zeile, in der 125 endet.</p>
<i> <p>Die Überschrift des Psalmes</i></p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Die Überschrift des Psalmes ist in 11QPs<sup>a</sup> übereinstimmend mit dem MT erhalten und wird dabei nicht durch irgendwelche Einschnitte vom </p> <pageBreak>
<p ALIGN="JUSTIFY">Kontext abgegrenzt. Dagegen fehlte sie ursprünglich in 4QPs<sup>e</sup> und wurde dort erst nachträglich korrigierend eingefügt<a href="Ani08n.html#14"><font
color="#0000FF"><sup>14</sup></font></a>. Ein Fehlen der Überschrift ist auch für die Peschitta festzuhalten. Die LXX übersetzt mit <font FACE="SPIonic">'Widh_ tw=n a)nabaqmw=n</font>, was als "Gesang der/für die Aufstiege"<a
href="Ani08n.html#15"><font color="#0000FF"><sup>15</sup></font></a>, aber auch als "Gesang für die Stufen" interpretiert werden kann. Die Syrohexapla gibt dies mit <font FACE="SPEdessa">)NQS8Md )tXwB$t</font> ("Lob für die Aufstiege") wieder<a href="Ani08n.html#16"><font color="#0000FF"><sup>16</sup></font></a>, die Vulgata versteht sowohl in der Version Iuxta LXX, als auch Iuxta Hebraeos "Canticum Graduum", also "Gesang für die Stufen".</p>
<i> <p>Vers 1b</i></p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Da der erste Teil von Zeile 10 in Kolumne iv fehlt, bietet 11QPs<sup>a</sup> leider keinen Anhaltspunkt für die Frage nach dem textkritisch umstrittenen <font FACE="SPTiberian">tby#</font> in V. 1<a
href="Ani08n.html#17"><font color="#0000FF"><sup>17</sup></font></a>. Die Stelle ist aber in 4QPs<sup>e</sup> erhalten. Das Manuskript bietet hier die Lesung <font
FACE="SPTiberian">twb#</font> statt des masoretischen <font FACE="SPTiberian">tby#</font>, eine Variante, die auch einige Handschriften des MT bezeugen<a href="Ani08n.html#18"><font
color="#0000FF"><sup>18</sup></font></a>. Hierzu ist interessant, dass lange Zeit über die etymologische Herleitung des Begriffes <font FACE="SPTiberian">twb#</font> diskutiert wurde. Dabei wurden und werden z.T. noch heute die Möglichkeiten einer Herleitung aus <font
FACE="SPTiberian">hb#</font> ("gefangen wegführen") oder <font
FACE="SPTiberian">bw#</font> ("wenden") diskutiert, wobei letzteres favorisiert wird. Bei einer Vorlage, wie sie 4QPs<sup>e</sup> bietet, ließe sich jedenfalls der in der LXX Ps 125,1 gebrauchte Begriff <font FACE="SPIonic">ai)xmalwsi/a</font>
("Gefangenschaft") als Übersetzung leichter erklären. In dieser Weise versteht auch der Psalter Iuxta Hebraeos, der mit dem Begriff "Captivitas" übersetzt, seine Vorlage. Übereinstimmend damit interpretiert die Peschitta hier mit dem Begriff <font
FACE="SPEdessa">)tYB$</font>, das — abgeleitet von dem Verb <font FACE="SPEdessa">)B$</font> — von Payne Smith ebenfalls als "captivitas" verstanden wird<a
href="Ani08n.html#19"><font color="#0000FF"><sup>19</sup></font></a>. Nur der Vollständigkeit halber sei noch das Psalmentargum erwähnt, das in Ps 126,1
"Gefangenschaft" interpretiert<a href="Ani08n.html#20"><font color="#0000FF"><sup>20</sup></font></a>.</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Eine Wurzel dieser textlichen Unterschiede dürfte in der geringen Unterscheidbarkeit der Buchstaben <font
FACE="SPTiberian">y</font> und <font FACE="SPTiberian">w</font> liegen. Der Wechsel zwischen </p>
<pageBreak> <p ALIGN="JUSTIFY"><font FACE="SPTiberian">tyb#</font>/<font FACE="SPTiberian">twb#</font> einerseits und <font FACE="SPTiberian">tby#</font> andererseits ist leicht als Schreiberfehler erklärbar. Als dritte Stufe der textlichen Entwicklung hin zur LXX lässt sich dann die — wohl falsche — etymologische Interpretation der Vorlage <font
FACE="SPTiberian">twb#</font><strike> </strike>rekonstruieren.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> Besonders interessant ist das Ende von V. 1. Für das im MT erscheinende Wort <font FACE="SPTiberian">Mymlx</font> hat 11QPs<sup>a</sup> möglicherweise <font FACE="SPTiberian">Mymwlx</font>. Leider ist gerade an dieser Stelle das mögliche <font FACE="SPTiberian">w</font> kaum vom einem <font
FACE="SPTiberian">y</font> zu unterscheiden — so wirkt z.B. das <font
FACE="SPTiberian">y</font> des Wortes <font FACE="SPTiberian">ry#</font> in Kolumne iv 9 eher größer als der als <font FACE="SPTiberian">w</font> gelesene Buchstabe in Zeile 10<a
href="Ani08n.html#21"><font color="#0000FF"><sup>21</sup></font></a>. Sollte tatsächlich <font
FACE="SPTiberian">w</font> zu lesen sein, ergäben sich folgende Konsequenzen. Da mit <font
FACE="SPTiberian">w</font> in der qumranischen Orthographie vor allem die verschiedenen o- und u-Laute wiedergegeben werden<a href="Ani08n.html#22"><font color="#0000FF"><sup>22</sup></font></a>, läßt sich die Form <font FACE="SPTiberian">Mymwlx</font> dann am besten als <i>passives </i>Partizip deuten. In diesem Falle kann aber nicht mehr auf die Bedeutung "träumen" des Verbs <font FACE="SPTiberian">Mlx</font> zurückgegriffen werden, eher wäre für
"genesen, kräftig werden" zu plädieren. Interessanterweise bietet 4QPs<sup>e</sup> an dieser wichtigen Stelle eine Variante zu 11QPs<sup>a</sup>: Das Manuskript liest hier genau den Konsonantenbestand des MT: <font FACE="SPTiberian">Mymlx</font>. Auch an dieser Stelle zeigen sich deutliche Abweichungen in der Überlieferungs- bzw. Interpretationsgeschichte. Die LXX übersetzt an dieser Stelle <font FACE="SPIonic">w(j parakeklhme/noi</font> ("wie Getröstete/Gestärkte"), die griechischen Rezensionen Aquila, Theodotion und Symmachus<a href="Ani08n.html#23"><font color="#0000FF"><sup>23</sup></font></a>
bieten dagegen übereinstimmend <font FACE="SPIonic">w(sei_ e)nupniazo/menoi</font> ("wie Träumende"). Der Unterschied zwischen MT und LXX-Fassung zeigt sich auch in den lateinischen Versionen Iuxta LXX ("sicut consolati": "wie Getröstete/Zufriedengestellte") und Iuxta Hebraeos ("quasi somniantes": "gleich Träumenden"). Interessanterweise bietet die Peschitta eine weitere Variante des Textes an: <font FACE="SPEdessa">nYdXd nwNh kY)</font>. Dabei leitet sich das Partizip <font FACE="SPAtlantis"><i>Pe(al</i></font> (Plural aktiv) <font FACE="SPEdessa">nYdX</font>, was dem hebräischen <font FACE="SPTiberian">hdh</font> entspricht, ab, und läßt sich mit "wie die sich Freuenden" wiedergeben. Da das Syrische zum einen mit <font
FACE="SPEdessa">mLX</font> ein sehr nahes Äquivalent zum hebräischen <font
FACE="SPTiberian">Mlx </font>kennt, andererseits aber in den VV. 5 und 6 der hebräische Begriff <font FACE="SPTiberian">hnr</font> mit dem von <font FACE="SPEdessa">)dX</font>
abgeleiteten <font FACE="SPEdessa">)twdX</font> wiedergegeben wird, ist für die Peschitta an dieser Stelle eine Vorlage wahrscheinlich zu machen, die keiner der hebräischen Varianten entspricht. Dagegen läßt sich die Übersetzung der LXX am besten als Interpretation eines hebräischen Textes der Form <font FACE="SPTiberian">Mymwlx</font> erklären. </p> <i> <p>Vers 2</i></p> <p ALIGN="JUSTIFY"> In V. 2 bieten 11QPs<sup>a</sup>
und 4QPs<sup>e</sup> nun gegenüber dem MT die gemeinsame orthographische Variante <font
FACE="SPTiberian">Myywgb</font> (Qumran) gegen <font FACE="SPTiberian">Mywgb</font> (MT). Daneben unterscheiden sich aber 4QPs<sup>e</sup> und 11QPs<sup>a</sup> voneinander durch die Schreibung des Tetragrammes — und dies an dieser Stelle sogar in zweierlei Hinsicht:</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> (i) Allgemein ist als in seiner Bedeutung noch nicht endgültig zu beurteilender Unterschied festzuhalten, dass in 11QPs<sup>e</sup> die Tetragrammata <i>nach </i>der Fertigstellung des Haupttextes wohl von mindestens einer weiteren </p> <pageBreak> <p ALIGN="JUSTIFY">Hand in <i>paläohebräischer Schrift</i> in die dafür extra freigelassenen Lücken nachgetragen wurden<a href="Ani08n.html#24"><font color="#0000FF"><sup>24</sup></font></a>. 4QPs<sup>e</sup> dagegen bietet die Tetragrammata in der üblichen Quadratschrift.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> (ii) Im Manuskript 4QPs<sup>e</sup> wurde das Tetragramm aus Ps 126,2b allerdings erst nachträglich als Korrektur eingefügt, so dass der ursprüngliche Text im Munde der "Gojim" lautete: <font
FACE="SPTiberian">hl) M( tw#(l lydgh</font>. Eine Entscheidung in der Frage, ob hier ein einfacher Schreiberfehler vorliegt oder etwa das Tetragramm im Munde der "Völker" bewusst weggelassen wurde, lässt sich m.E. nicht begründet treffen<a href="Ani08n.html#25"><font color="#0000FF"><sup>25</sup></font></a>.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> Folgende Beobachtungen zur Überlieferungsgeschichte von V. 2 verdienen außerdem festgehalten zu werden.</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Die LXX gibt das Wort <font
FACE="SPTiberian">qwx#</font> des MT mit <font FACE="SPIonic">xara/</font>, ("Freude") wieder, während Aquila und Symmachus präziser mit <font
FACE="SPIonic">ge/loj</font> ("Lachen") übersetzen. An der Stelle des Begriffes
<font FACE="SPTiberian">hnr</font> wählt die LXX <font FACE="SPIonic">a)galli/asij</font> ("große Freude, Jubel"), Aquila dagegen überraschend <font FACE="SPIonic">ai!nesij</font> ("Lob, Preis"), Symmachus <font FACE="SPIonic">eu)fhmi/a</font> ("religiöses Schweigen, andächtiges Gebet, freudiger Zuruf"). In die Richtung Aquilas gehen auch der Psalter Iuxta Hebraeos, der mit "laus" ("Lob") übersetzt, und die Peschitta: Der Begriff <font FACE="SPEdessa">)tXwB$t</font>, abzuleiten von der Wurzel <font FACE="SPEdessa">XB$</font>, bedeutet ebenfalls "Lob, Preis". Der Befund ist umso erstaunlicher, als die Peschitta an den beiden anderen Stellen, in denen der MT <font FACE="SPTiberian">hnr</font> liest, den Begriff <font
FACE="SPEdessa">)twdX</font> ("Freude"), die Vulgata Iuxta Hebraeos
"exultatio" setzt. Selbst wenn Hieronymus hier von Aquila beeinflusst sein sollte, lässt sich mit den obigen Argumenten doch für Aquila und die Peschitta eine vom uns überlieferten MT abweichende Vorlage wahrscheinlich machen.</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> So bleibt für den schwierigen Abschnitt der VV. 1-2 noch die Frage zu klären, wie die einzelnen Übersetzungen die Verbformen des Hebräischen interpretieren. Die LXX übersetzt das hebräische Perfekt <font FACE="SPTiberian">wnyyh</font> mit dem Aorist <font
FACE="SPIonic">e)genh/qhmen</font> und entscheidet sich in gleicher Weise für den Aorist in der Übersetzung des Imperfekts <font FACE="SPTiberian">)lmy</font> (<font
FACE="SPIonic">e)plh/sqh</font>) in V. 2a <a href="Ani08n.html#26"><font color="#0000FF"><sup>26</sup></font></a>. In V. 2b wechselt sie aber mit dem Verb <font FACE="SPIonic">e)rou=sin</font> in das Präsens. Unter den Übersetzungen der LXX lässt sich dies gut im Psalterium Iuxta LXX (1: facti sumus – 2a: repletum est – 2b: dicent) und selbst in der Syrohexapla (1: syr. Perfekt: <font FACE="SPEdessa">nNYwh</font> – 2a: syr. </p>
<pageBreak> <p ALIGN="JUSTIFY">Perfekt: <font FACE="SPEdessa">YLMt)</font> – 2b: <font
FACE="SPEdessa">nwrM)N</font>) nachvollziehen. Dagegen übersetzt die Peschitta in folgender Weise: 1: syr. Perfekt: <font FACE="SPEdessa">nYwh</font> – 2a: syr. Imperfekt: <font FACE="SPEdessa">)LMtN</font> – 2b: syr. Imperfekt: <font
FACE="SPEdessa">nwrM)N</font>). Der Psalter Iuxta Hebraeos interpretiert: 1: facti sumus
– 2a: implebitur – 2b: dicent.</p> <i> <p>Vers 3</i></p> <p ALIGN="JUSTIFY"> In V. 3 bietet keine der Qumranhandschriften eine Variante zum MT. Ebenso lassen sich m.E. in den verschiedenen Versionen keine notierenswerten Auffälligkeiten festhalten.</p> <i> <p>Vers 4</i></p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> In V. 4 ergibt sich zunächst wieder das Problem des Begriffes <font FACE="SPTiberian">twb#</font>, das in ähnlicher Weise schon in V. 1 begegnete. 11QPs<sup>a</sup> liest hier <font
FACE="SPTiberian">wnytwb#</font>, wohl nur eine orthographische Variante zum masoretischen <font FACE="SPTiberian">wntwb#</font>, kann doch in den Qumrantexten der Buchstabe <font
FACE="SPTiberian">y</font> einen <i>e-</i>Laut repräsentieren<a href="Ani08n.html#27"><font
color="#0000FF"><sup>27</sup></font></a>. Leider fehlt das Wort in 4QPs<sup>e</sup> und natürlich auch in 1QPs<sup>b</sup>, das ja erst mit V. 6 einsetzt. Die einzelnen Übersetzungen interpretieren hier in einer Weise, wie sie dies auch in V. 1 tun.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> Interessant ist vielleicht noch die <i>Interpretation</i> des Nachsatzes <font FACE="SPTiberian">bgnb Myqyp)k</font> in den einzelnen Übersetzungen. Bereits die <font FACE="SPTiberian">Myqyp)</font> werden unterschiedlich verstanden. Die LXX übersetzt mit dem Begriff <font FACE="SPIonic">xei/marroj</font> (Etymologie: <font FACE="SPIonic">xei/ma r(e/w</font>). Gemeint ist also ein Bach, der im Winter fließt und im Sommer ausgetrocknet ist. Aquila dagegen setzt <font FACE="SPIonic">katarroi/a</font>, also einen Bach, der (wohl vom Berg) <i>herab</i>fließt, Symmachus wiederum <font
FACE="SPIonic">o)xeto/j</font>, was eher einen "Bewässerungskanal" meint. Der Psalter Iuxta LXX übersetzt "torrens" ("Wildbach"), Iuxta Hebraeos
"rivus" ("Bach, Strom, Wasserrinne, Kanal"). Der syrische Begriff <font
FACE="SPEdessa">)dcP</font> (Peschitta) kann u.a. "Quelle, Ort, an dem Wasser hervorkommt", aber auch "wilder Bach" bedeuten. All diese Variationen, die sich nahezu beliebig fortsetzen ließen und die im Deutschen nur äußerst ungenügend wiedergegeben werden können, lassen natürlich nicht auf textliche Unterschiede in den einzelnen Vorlagen schließen, zeigen aber ein wenig die Bandbreite der wechselnden Bilder und Assoziationen auf, die bei unterschiedlichen — an sich im naiven Sinne "richtigen" — Übersetzungen einer Wendung in verschiedene Sprachen entstehen können. Dass mit dieser Verschiebung des Vergleichspunktes natürlich auch eine Verschiebung in der Vorstellung vom rettenden Handeln yhwhs einhergeht, braucht wohl nicht mehr eigens betont zu werden.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> In ähnlicher Weise verändern sich die Assoziationen, die mit dem Begriff <font FACE="SPTiberian">bgn</font> verbunden sind. Während der Beter des masoretischen Psalmes in Palästina mit diesem Begriff wohl die noch heute als "Negev" bezeichnete Wüste im Süden des Landes assoziieren dürfte, verliert sich die Bedeutungskomponente "Wüste" in den Übersetzungen und wird dort zugunsten der Komponente "Süden" aufgegeben.</p> <i>
<p>Vers 5</i></p> <p ALIGN="JUSTIFY"> In V. 5 soll nur auf zwei orthographische Varianten im Bezug auf den MT hingewiesen werden: Es handelt sich um die Worte <font FACE="SPTiberian">My(rwz</font> (in 11QPs<sup>a</sup> und </p> <pageBreak>
<p ALIGN="JUSTIFY">4QPs<sup>e</sup> statt des masoretischen <font FACE="SPTiberian">My(rz</font>) und <font FACE="SPTiberian">wrwcqy</font> (in 11QPs<sup>a</sup> anstelle von <font
FACE="SPTiberian">wrcqy</font> im MT). Auch die Versionen zeigen hier keine auffallenden Abweichungen oder interessant erscheinende Interpretationen.</p>
<i> <p>Vers 6</i></p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Schwierig zu beurteilen ist V. 6a in 11QPs<sup>a</sup>. Der Text liest offensichtlich im ersten Abschnitt <font
FACE="SPTiberian">Kly Kwlh</font>, was dem MT entsprechen würde, fährt aber dann syntaktisch unmöglich mit <font FACE="SPTiberian">wkbw</font> fort. Da sich der Text auch weiterhin mit den Pluralen <font FACE="SPTiberian">y)#wn</font> fortsetzt, könnte hier im ersten Teil ein Schreiberfehler für <font FACE="SPTiberian">wkbw wkly Kwlh</font>
vorliegen. Tatsächlich wirken die beiden entscheidenden Worte in Kolumne iv 14 im Gegensatz zu den umliegenden Begriffen geradezu zusammengeklebt<a href="Ani08n.html#28"><font
color="#0000FF"><sup>28</sup></font></a>. Solche kleinen, gerade im unvokalisierten Bereich schnell entstehenden Schreiberfehler in welche Richtung auch immer können leicht Varianten wie die der LXX erklären, die ebenfalls in V. 6a pluralisch <font
FACE="SPIonic">poreuo/menoi e)poreu/onto kai_ e!klaion</font> übersetzt, eine Variante, die sich natürlich auch in den lateinischen Psalterien Iuxta Hebraeos und Iuxta LXX widerspiegelt<a href="Ani08n.html#29"><font color="#0000FF"><sup>29</sup></font></a>.</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Eng zusammenhängend mit V. 6a<font FACE="SPIonic">a</font> ist natürlich auch das schon angesprochene <font
FACE="SPTiberian">y)#wn</font> in 6a<font FACE="SPIonic">a</font> und 6b<font
FACE="SPIonic">b</font> (11QPs<sup>a</sup>, letzteres auch von 1QPs<sup>b</sup> bezeugt), was wiederum die LXX mit dem Plural <font FACE="SPIonic">ai!rontej</font> übersetzt. Die Peschitta gibt den Text von Ps 126,6 nahe am Hebräischen wieder, allerdings mit der Einschränkung, dass das hebräische <font FACE="SPTiberian">(rzh-K#m</font> nur mit <font
FACE="SPEdessa">)(rz</font> ("Same") übersetzt wird und dem hebräischen <font
FACE="SPTiberian">wytml)</font> nur <font FACE="SPEdessa">)PK</font> ("Handfläche, Handvoll, Garbe") ohne Pronominalsuffix entspricht <a href="Ani08n.html#30"><font
color="#0000FF"><sup>30</sup></font></a>.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> </p> <p ALIGN="CENTER">Zusammenfassende Beurteilung</p> <i> <p>Zu den Qumran-Manuskripten</i></p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Die erhaltenen Fassungen von Ps 126 zeigen nur geringe Varianten gegenüber dem Konsonantenbestand des MT.</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> An großen Unterschieden zwischen 4QPs<sup>e</sup> und 11QPs<sup>a</sup> ist die bei Flint m.E. unterschätzte unterschiedliche Behandlung der Tetragrammata zu erwähnen, aber auch die Tatsache, dass die Textform, die 4QPs<sup>e</sup> bietet, nur durch das mehrfache Eingreifen einer korrigierenden Hand so klar mit der von 11QPs<sup>a</sup> übereinstimmt. In diesem Zusammenhang ist vor allem das ursprüngliche Fehlen der Überschriften über Ps 126 und 130 zu vermerken<a href="Ani08n.html#31"><font color="#0000FF"><sup>31</sup></font></a>.</p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> Auf orthographischer Ebene lässt sich besonders für 11QPs<sup>a</sup> die Tendenz zur <i>Plene</i>-Schreibung mit Hilfe von <i>Matres lectionis</i> bestätigen. Beispiele dafür wären das umstrittene <font
FACE="SPTiberian">Mymwlx</font> (V. 1), <font FACE="SPTiberian">Myywg</font> (V. 2), <font
FACE="SPTiberian">wnytwb#</font> (V. 4), <font FACE="SPTiberian">My(rwz</font>, <font
FACE="SPTiberian">wrwcqy</font> (V. 5) <font FACE="SPTiberian">y)#wn</font> (V. 6a.b, letzteres auch für 1QPs<sup>b</sup>) und <font FACE="SPTiberian">wtwmwl)</font> (V. 6b). Von diesen Beispielen bietet 4QPs<sup>e</sup> das erste in von 11QPs<sup>a</sup>
unterschiedener, die anderen aber nicht oder in mit 11QPs<sup>a</sup> übereinstimmender Schreibung. </p> <pageBreak> <p ALIGN="JUSTIFY"> Auf der Ebene der Textvarianten zeigen sich für Ps 126 kaum Unterschiede zwischen 11QPs<sup>a</sup> und dem <i>korrigierten Text</i> von 4QPs<sup>e</sup> — es bleibt die Möglichkeit der Variante zwischen <font FACE="SPTiberian">Mymwlx</font> und <font FACE="SPTiberian">Mymlx</font>
in V. 1. Dagegen weist der <i>unkorrigierte Text</i> von 4QPs<sup>e</sup> durchaus deutliche Unterschiede zu dem von 11QPs<sup>a</sup> auf.</p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Eine Gesamtinterpretation der Textformen von Ps 126 in Qumran ist wegen des fragmentarischen Erhaltungszustandes der Manuskripte wohl nicht möglich. Von besonderer Bedeutung dürfte dabei die mögliche Variante <font FACE="SPTiberian">Mymwlx</font> (V. 1) sein. Hierzu sei nur auf W. Beyerlins Auslegung von Ps 126 hingewiesen, der seine gesamte Interpretation des Psalmes, dessen umstrittene Imperfekte in V. 2 er futurisch interpretiert, auf der semantischen Deutung des Begriffes <font FACE="SPTiberian">Mymlx</font> aufbaut<a href="Ani08n.html#32"><font
color="#0000FF"><sup>32</sup></font></a>.</p>
<i> <p>Vom hebräischen Psalm bis zur Vulgata</i></p> <p ALIGN="JUSTIFY"> Nur als ein besonders deutliches Beispiel aus der überliefe-rungsgeschichtlichen Fülle seien zum Abschluss noch einmal die für die katholische Tradition so bedeutsamen Psalterien Iuxta LXX und Iuxta Hebraeos erwähnt. Aufgrund eines Zusammentreffens von Techniken der Übersetzung und Interpretation der eigenen Vorlage, aber auch textkritischer Probleme, müssen diese Texte völlig anders interpretiert werden als der MT. Im Gegensatz zu diesem tritt das Leitwort des "Wendens" ("Convertere") zurück, da die hebräische Figura Etymologica — wie schon in der LXX — nicht nachgeahmt werden kann. Auch das Motiv des "Jubels" verliert zumindest in Ps 125 Iuxta Hebraeos durch das Einsetzen des Begriffes "Laus" in V. 2 an Bedeutung. </p>
<p ALIGN="JUSTIFY"> Daneben zeigen sich nun gerade in der Syntax erhebliche Unterschiede. Die Wendung <font FACE="SPTiberian">b</font> + Infinitiv wird in der LXX mit <font FACE="SPIonic">e)n</font> + Infinitiv wiedergegeben<a
href="Ani08n.html#33"><font color="#0000FF"><sup>33</sup></font></a>, dies ahmt wiederum der Psalter Iuxta LXX nach ("In Convertendo"), während Iuxta Hebraeos mit einem temporalen Nebensatz einsetzt. Als Apodosis des ersten Satzes wird nun sowohl in der LXX, als auch in den lateinischen Psalterien V. 1b<font FACE="SPIonic">b</font> gefaßt<a
href="Ani08n.html#34"><font color="#0000FF"><sup>34</sup></font></a>. Da aber die lateinischen Verbformen im Gegensatz zu den griechischen und vor allem den hebräischen <i>Zeitstufen</i>
repräsentieren, können die Vulgata-Texte nicht wie der MT als Vorwegnahme der im Traum offenbarten Zukunft interpretiert werden. </p> <pageBreak> <p ALIGN="JUSTIFY">Sie schauen nicht voraus auf eine von Jahwe herbeizuführende Schicksalswende, sondern zurück auf die Wende der Gefangenschaft, die natürlich nur als Babylonisches Exil interpretierbar ist. Die Zurückschauenden wurden <i>damals</i> zu Getrösteten (Iuxta LXX) bzw. Träumenden (Iuxta Hebraeos) gemacht. Zwar läßt sich V. 3 in beiden Fällen so verstehen, dass die Freude bis in die Gegenwart reicht, das <i>Handeln Jahwes</i> aber liegt in der Vergangenheit. Umso deutlicher ist der Bruch zu V. 4. Hier wird erneut die Bitte um eine Wende der Gefangenschaft geäußert. Die Interpretation wird damit äußerst problematisch. Interessant sind nun noch die verwendeten Tempora in V. 6. Das Gehen und Weinen wird in beiden Fällen mit dem lateinischen Imperfekt übersetzt, das Kommen mit dem Futur: Für Ps 125 in den lateinischen Übersetzungen liegt also das Gehen und Weinen bereits in der Vergangenheit, das Kommen in Freude erst in der Zukunft — ein deutlicher Perspektivenwechsel gegenüber dem Hebräischen.</p>
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